Oldenburg - Ingenieure sind nach wie vor sehr gefragt. „Die Berufsaussichten für Bauingenieure sind im Augenblick generell ausgezeichnet“, sagt Prof. Dr.-Ing. Thomas Priesemann von der Jade Hochschule. „Für besondere Stellen brauchen Bewerber aber Schlüsselqualifikationen, die sie von der Masse abheben.“ Gleich zwei Besonderheiten bietet die Studienrichtung „Europäisches Baumanagement“ (ECEM – European-Civil-Engineering Management), die Priesemann leitet. Zum einen ist die Studienrichtung eine Antwort auf die veränderten Anforderungen, die an Bauingenieure gestellt werden. „Es sind nicht mehr nur die reinen Techniker gefragt. Der Bauingenieur ist immer mehr auch Manager“, erklärt Priesemann. Zum anderen sind zwei Semester im Ausland fester Bestandteil des Studienplans.
Diese Auslandssemester waren für Bastian Schneiders, der gerade an seiner Bachelor-Arbeit feilt, ein Grund, sich für das Studium in Oldenburg zu entscheiden. „Ich war schon immer an einem Auslandsaufenthalt interessiert, wollte aber deswegen kein zusätzliches Semester dranhängen müssen“, sagt Schneiders. „Auch um die Anerkennung der Studienleistungen, müssen sich die ECEM-Studierenden keine Gedanken machen. Die Studienpläne sind mit den Partnerhochschulen abgestimmt,“ ergänzt Priesemann.
Als das Programm 1992 an den Start ging, kooperierte die Jade Hochschule mit Groningen und Stettin. Bis heute ist die Zahl der Partnerhochschulen auf elf angewachsen und reicht von Halmstad in Schweden bis Valencia in Spanien sowie von Galway in Irland über Paris bis Budapest.
Die Partnerhochschulen legten großen Wert darauf, die ausländischen Studierenden möglichst gut zu unterstützen, sagt Priesemann. Für Halmstad kann Schneiders das nur unterstreichen: „Die Profs hatten immer ein offenes Ohr für uns und auch die Behörden sind uns sehr entgegengekommen.“
Schneiders war in einem Wohnheim mit circa 200 anderen Studierenden aus etwa 30 Nationen untergebracht. „Wir hatten alle die gleichen Startschwierigkeiten und konnten uns gegenseitig helfen. Außerdem hat man sofort Anschluss gefunden,“ erinnert er sich.
Das Zusammenleben mit Menschen aus verschiedenen Kulturen vermittle den Studierenden die gefragte „interkulturelle Kompetenz“, sagt Priesemann. „Sie merken, dass sie auch mit einer Fremdsprache und den Defiziten, die sie darin haben, zurecht kommen. Das gibt Selbstbewusstsein und schafft ein sicheres Auftreten – was für Generalisten, wie Bauingenieure, sehr wichtig ist.“
„Ich hatte aufgrund der Sprachbarriere relativ viel Respekt vor dem Auslandsaufenthalt“, sagt Schneiders, der sich unter anderem für Schweden entschieden hat, weil die Vorlesungen dort auf Englisch gehalten werden. Doch mit seinem „durchschnittlichen“ Schulenglisch und den zwei Semestern Schwedisch-Sprachkurs hatte er keine Probleme, sich zu verständigen. „Das Auslandsstudium war ein absoluter Gewinn. Mir hat es vor allem persönlich, in Bezug auf Lebenserfahrung und Horizonterweiterung, aber auch fachlich, beispielsweise durch sicheres Auftreten bei Präsentationen, sehr viel gebracht,“ bilanziert Schneiders.
