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Bologna-Reform Planlos studieren soll endlich passé sein

Tobias Schormann

BERLIN - Früher war das Studium in Fächern wie Germanistik mitunter eine einzige Orientierungseinheit: Bis man herausgefunden hatte, was man darin lernen sollte, waren schnell zehn Semester vorbei. Und wer den Weg durchs Studium nicht auf eigene Faust fand, blieb oft auf der Strecke. Das hat sich mit dem Bachelor geändert: Sein strenges Pflichtprogramm gibt in der Regel genau vor, welche Kurse Studenten wann belegen müssen. Die Bologna-Reform hat damit auch ihr Gutes: Planlos draufloslernen war gestern – heute ist Studieren mit Struktur das Motto.

Derzeit schimpfen zwar alle auf den Bachelor: Zu verschult ist er vielen Studenten. Sie beklagen die vielen Vorgaben und fehlende Freiheit im Studium. Beides hat beispielsweise für angehende Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker aber nicht nur Nachteile: „Der Bachelor hat mehr Struktur gebracht, und das ist etwas, was den Geisteswissenschaften früher oft abgegangen ist“, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk (DSW). Er hat Geschichte, Germanistik und Philosophie studiert und weiß, dass ein Studium in diesen Fächern früher bisweilen einem Survival-Camp glich: „Wir mussten uns ja noch selbst den Weg durch den Dschungel schlagen.“ Die damit verbundene Orientierungslosigkeit habe vielen zu schaffen gemacht.

Dass das Motto „Früher war alles besser“ so nicht stimmt, meint auch Ulrich Heublein vom Hochschul-Informations-System in Hannover. „Es ist nicht so, dass wir paradiesische Zustände hatten und jetzt in der Hölle schmoren.“

Gewinner und Verlierer

Vielmehr gibt es Verlierer der Reform, aber auch Gewinner. So zeigt ein Blick auf die Abbrecherquoten, wie unterschiedlich sich die Bachelor-Umstellung ausgewirkt hat: „In den Ingenieur- und Naturwissenschaften hat das neue Prüfungsreglement dazu geführt, dass wir mehr Studenten verlieren“, räumt Heublein ein. In den Sprach-, Kultur- und Sozialwissenschaften sind die Abbruchquoten dagegen zurückgegangen.

Indem die Reform in den Geisteswissenschaften mehr Orientierung gebracht habe, sei der Studieneinstieg einfacher und klarer geworden, erklärt Heublein. Es sei heute in Fächern wie Germanistik leichter möglich, die innere Logik eines Studiengangs zu verstehen. Ein klarer Studienplan sei nichts Schlechtes, ergänzt Grob. Er entlaste Studenten. „Mehr Struktur und weniger Freiheit ist für viele gut.“

Die aktuelle Sozialerhebung des DSW zeigt zudem: Die zeitliche Belastung im Bachelor ist keineswegs höher als bei Studenten im alten System. So haben Bachelor-Studenten an der FH eine 44-Stunden-Woche, wenn Studium und Nebenjob zusammengerechnet werden. Ihre Kommilitonen an der Uni kommen auf 43 Stunden. Ein Diplom-Student an der Fachhochschule hat aber 46 Wochenstunden. In Staatsexamensfächern wie Jura an en Universitäten sind es 49.

Zu wenig Beratung

Heublein sieht die Entwicklung dennoch ambivalent, auch in den Fächern, die auf den ersten Blick positive Zahlen vorzuweisen haben. Was immer noch fehle, sei die Betreuung und Beratung. Das sieht Stefan Grob ähnlich: „Die Feedback-Kultur ist unterentwickelt.“ Viele Studenten fühlten sich alleingelassen.

Geistes- und Sozialwissenschaften ist die Abbrecherquote in der Vergangenheit deutlich gesunken. Laut HIS haben vom Absolventenjahrgang 1999 noch 41 Prozent der Sprach- und Kulturwissenschaftler das Handtuch geworfen - beim Jahrgang 2006 waren es nur noch 32 Prozent. In den Sozialwissenschaften sank der Wert in dieser Zeit von 42 auf nur noch 10 Prozent.

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