BREMEN - Berufliche Bildung im Strafvollzug ist hochkomplex. Denn die Vorkenntnisse der Insassen und die Dauer der Haftstrafen könnten heterogener nicht sein. Gleichzeitig ist berufliche Bildung enorm wichtig, um die Rückfallquote nach der Entlassung zu senken. Das Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen entwickelt seit Jahren in zwei großen Projekten Lernplattformen, mit deren Hilfe E-Learning in den Gefängnissen Einzug hält.
„Individuelles Lernen ist hier wichtig, denn nur selten finden sich vor Ort kleine Klassen für eine Berufsausbildung oder Qualifizierung“, berichtet Professor Jürgen Friedrich, der mit seiner Arbeitsgruppe aktuell das EU-Projekt LICOS koordiniert, in dem das TZI zusammen mit seinen europäischen Partnern quasi einen IT-Baukasten mit Lernprogrammen entwickelt. Den können die teilnehmenden Länder Norwegen, Niederlande, Belgien, England, Österreich, Spanien, Ungarn und Deutschland, vertreten durch Bremen, dann erproben, evaluieren und an ihre jeweiligen Besonderheiten im Strafvollzug anpassen.
Dabei steht und fällt das Lernen am PC natürlich mit dem Thema Sicherheit. „Das Rechtemanagement nimmt einen großen Raum ein. Webbasiertes E-Learning darf nicht dazu führen, dass Häftlinge womöglich ihre Flucht über das Internet organisieren“, sagt Friedrich. Eine sichere Plattform hat sein Team für die deutsche Justiz bereits vor Jahren im Projekt elis entwickelt. „Die elis-Plattform wird heute bereits in den Gefängnissen von elf Bundesländern für die allgemeine und berufliche Bildung erfolgreich eingesetzt“, ergänzt Jürgen Hillmer, der beim Senator für Justiz in Bremen für die Bildung im Gefängniswesen zuständig ist und vor mehr als zehn Jahren elis initiiert hat.
