Bremen - Forschern der Universität Bremen ist es gelungen, einen wichtigen Biomarker für Hodenkrebs in einer umfassenden Studie stark weiterzuentwickeln. Der Biomarker sei nun nahe am klinischen Einsatz, wie die Uni mitteilt. Hodenkrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei jungen Männern zwischen 20 und 40 Jahren. Ein wichtiges Hilfsmittel zur Beurteilung des Krankheitsverlaufes ist die Bestimmung der Konzentration sogenannter Biomarker im Blut der Patienten – aber zuverlässige Biomarker fehlten den Ärzten lange Zeit.
Ein erster bedeutender Schritt war daher 2012 die Entdeckung eines äußerst vielversprechenden Biomarkers. Eine Arbeitsgruppe um den Humangenetiker Dr. Gazanfer Belge von der Universität Bremen wies an elf Patienten mit Hodenkrebs die Wirksamkeit dieses Markers nach.
Aber wo in der Medizinforschung ein erster Schritt gelingt, müssen in der Regel viele weitere folgen, bis eine wichtige Entdeckung eines Tages im klinischen Alltag landet. „Kein Arzt der Welt wird auf Biomarker vertrauen, die an nur einem Dutzend Patienten getestet wurden“, sagt Belge. Die Entdeckung vor sieben Jahren veranlasste die Wilhelm Sander-Stiftung für Krebsforschung, ein mit 170 000 Euro gefördertes Anschlussprojekt einzurichten. Mit der Drittmittelförderung wurde eine mehrjährige multizentrische Studie ermöglicht, an der 37 urologische und onkologische Kliniken aus verschiedenen europäischen Ländern teilnahmen. „Dabei wurde der Biomarker in den vergangenen drei Jahren an mehr als 600 Patienten getestet und erheblich weiterentwickelt“, so Belge.
Das Ergebnis: Der Biomarker hat mittlerweile eine äußerst hohe Sensitivität und damit auch eine hohe Genauigkeit. „Die Studie hat gezeigt, dass der Biomarker sowohl für die erste Diagnose als auch für die Erfolgskontrolle nach der Behandlung ein sicheres Instrument ist“, erläutert Dr. Arlo Radtke, der die Studie zusammen mit Gazanfer Belge durchführte.
