BREMEN - Wie können in Deutschland die Herausforderungen des demographischen Wandels bewältigt werden? Ihre Empfehlungen dazu hat kürzlich die Akademiengruppe „Altern in Deutschland“ nach dreijähriger Forschung präsentiert. Der Bericht, den das Forscherteam an Bundespräsident Horst Köhler übergab, enthält im Kern zwölf wissenschaftlich basierte Ratschläge an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie für die Lebensgestaltung jedes einzelnen.
Vizesprecherin der Gruppe ist Altersforscherin Ursula Staudinger, Leiterin des Jacobs Center on Lifelong Learning an der Jacobs University in Bremen.
„In Deutschland steht ‚Demographischer Wandel’ oft für Schreckensszenarien, wie sie sich in Schlagworten von der ,vergreisenden Gesellschaft’ oder dem ‚Krieg der Generationen’ widerspiegeln. Dabei ist der Ausgangspunkt unserer Empfehlungen äußerst positiv: Die demographische Entwicklung im letzten Jahrhundert hat das Leben der Menschen im Schnitt um 30 Jahre verlängert. Und nicht nur das: Wir erreichen das höhere Alter im Allgemeinen auch bei besserer Gesundheit“, sagt Ursula Staudinger. „Unsere Kernbotschaft lautet daher: Die Zukunft unserer Gesellschaft liegt in einem produktiven Umgang mit dem Altern. Die Herausforderung besteht darin, die gewonnenen Jahre vor allem als Chance zu begreifen und ihr Potenzial zu erschließen.“
So sei Veränderungswille auf Seiten der Arbeitgeber gefragt, die sich die Erfahrung und soziale Kompetenz älterer Mitarbeiter zunutze machen müssten und auch in deren Weiterbildung investieren sollten. Aber auch jeder Einzelne sei gefordert. Die Bereitschaft, lebenslang zu lernen und daraus Vertrauen in die eigenen Kompetenzen zu ziehen, sei keine Frage des Alters, sagt Staudinger.
Eine der Hauptaufgaben des 135 Seiten starken Empfehlungspapiers sei es gewesen, das Wissen über das Altern zu bündeln und durch fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse Vor- und Fehlurteile über das Alter und das Altern zu entkräften, so Staudinger.
Insgesamt 23 Wissenschaftler aus 18 Forschungseinrichtungen und zehn unterschiedlichen Disziplinen hatten sich in der Akademiengruppe zusammengetan – die bislang größte und breiteste Forschungsinitiative, mit der das Thema Altern in der Bundesrepublik bearbeitet worden ist.
