BREMEN - Würden Sie einem flüchtigen Bekannten einen kleinen Geldbetrag leihen? Gehen Sie ganz unbefangen mit Fremden um, die Sie nach dem Weg fragen? Wenn ja, dann gehören Sie zu den Menschen, die generelles Vertrauen in ihre Mitmenschen setzen. Diese Art von Vertrauen gilt Sozialwissenschaftlern und Ökonomen als besonders wertvolle Ressource für ein florierendes Gemeinwesen.
Ein deutsch-britisches Forscherteam unter Federführung der Jacobs University Bremen und der Leuphana Universität Lüneburg hat in einer mehr als 50 Länder umfassenden Studie untersucht, wo dieser Wesenszug am weitesten verbreitet ist. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Zeitschrift American Sociological Review veröffentlicht. Ein Resultat: Westdeutsche vertrauen mehr als Ostdeutsche. In Asien gibt es viel weniger generelles Vertrauen als bislang angenommen.
Das Forscherteam Jan Delhey (Jacobs University), Christian Welzel (Leuphana Universität) und Kenneth Newton (University Southampton) hat Umfragedaten der Welt-Werte-Studie mit mehr als 60 000 Befragten ausgewertet. Dabei ist es ihnen gelungen, generelles Vertrauen erstmals so zu messen, dass es wirklich über Länder und Kulturen hinweg vergleichbar ist.
Schweden auf Platz eins
Am meisten Vertrauen haben der Studie zufolge die Schweden, Schweizer und Norweger, am wenigsten die Menschen in der Türkei, Ruanda und Trinidad & Tobago. Deutschland liegt auf Platz sieben (alte Bundesländer) beziehungsweise elf (neue Bundesländer). Allgemein gesagt ist generelles Vertrauen in reichen westlichen Gesellschaften höher als in ärmeren, nicht-westlichen Ländern.
Vertrauen wird schon seit Jahrzehnten in Umfragen gemessen mit der Frage: Kann man den meisten Menschen vertrauen? Allerdings wusste man bisher nicht, wen sich die Befragten unter „meiste Menschen“ vorstellen. „Der Clou unserer Studie ist, dass wir erstmals konkret diesen Radius des Vertrauens bestimmen konnten“, erläutert Professor Dr. Jan Delhey. „Dies war möglich durch zusätzliche Fragen, die genauer erkunden, wie sehr die Befragten einerseits Familienmitgliedern und Freunden vertrauen, andererseits Menschen anderer Religion und Nationalität. Bringt man diese neuen Informationen mit der altbewährten Vertrauensfrage in ‘die meisten Menschen in Verbindung, kann man den Radius des Vertrauens abschätzen.“
Die Forscher konnten zudem zeigen, dass der gesellschaftliche Nutzen, den Vertrauen stiftet, stark vom Vertrauensradius abhängt: In Ländern mit einem weiten Radius engagieren sich die Menschen stärker in Vereinen, sind toleranter und unterstützen stärker demokratische Prinzipien.
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