DELMENHORST - Es ist gar nicht so leicht, mit Delmenhorster Bürgern an einem Informationsstand ins Gespräch zu kommen. Diese Erfahrung machten am Dienstag Mitglieder der SPD Arbeitsgemeinschaft 60 plus. Für eine Stunde breiteten sie in der Fußgängerzone eine Straßenzeitung aus, um so am Tag der älteren Generation auf Altersarmut aufmerksam zu machen. Die beginnt nicht erst in unserem fortgeschrittenen Alter, so der stellvertretende 60plus-Vorsitzende Karl-Günter Ziesmer. Das jedoch machten sich viele junge Leute nicht klar. Vor kurzem habe er mit einem Infostand in Bremen gestanden, berichtete Ziesmer.: Da waren die Studenten allesamt überrascht, dass wir Senioren uns so stark für die jüngere Generation einsetzen.
Altersarmut beginnt in jungen Jahren, betonten auch die 60plus-Mitglieder Rolf Gellermann, Günter Holtz, Hermann Bokelmann, Dietmar Knoche und Helmut Reuber. Mit ihrem Info-Blatt sprachen sie gezielt Mittzwanziger und -dreißiger an.
Leider, so ihre Bilanz, hätten nur wenige aufrichtiges Interesse gezeigt. Dabei, so beklagen sie, könnten schon jetzt knapp acht Millionen Menschen in Deutschland von ihrer Arbeit nicht mehr auskömmlich leben. Fast ein Viertel dieser Arbeitsverhältnisse liege im Niedriglohnsektor. Wir brauchen den flächendeckenden Mindestlohn, machte Karl-Günter Ziesmer den Passanten mehrfach klar. Schließlich sei die Zahl der Geringverdiener vor allem in Westdeutschland stark gestiegen. Nach einer aktuellen Studie wuchs sie in den letzten 15 Jahren um 68 Prozent.
Millionen Minijobbern droht Altersarmut. Wer 45 Jahre lang in einem Minijob arbeitet, hat am Ende nur einen Anspruch auf rund 140 Euro Rente. Diese Menschen sind dann auf Grundsicherung angewiesen, die dem Satz von Hartz IV entspricht.
Frauen des Jahrgangs, die 2010 in den Ruhestand gingen, erhalten durchschnittlich 535 Euro Rente. Männer kommen auf 999 Euro.
