DELMENHORST - Im Beisein von zahlreichen Gästen hat Thomas Steinhoff, Leiter der Privatkundenabteilung der Landessparkasse zu Oldenburg, am Mittwochabend die Ausstellung „Die Fundamente des Gemeinschaftslebens – Clemens August von Galen in der Zeit der Weimarer Republik“ in der LzO Delmenhorst eröffnet.
Steinhoff erinnerte in seinen Begrüßungsworten an die Bedeutung Kardinal von Galens für die Geschichte des Oldenburger Münsterlandes sowie ganz Deutschland. Durch seine Predigten sei er zum Symbol des Widerstands gegen den Nationalsozialismus geworden. Initiiert wurde die Ausstellung von Clemens-August Krapp, Vorsitzender des Kuratoriums der Kardinal von Galen Stiftung, und Dr. Maria Anna Zumholz von der Universität Vechta. „Mit dem Motto ‚Unsere Botschaft heißt Mut’ sieht es die Stiftung als ihre Aufgabe an, einen Erinnerungsort mit einem Vorbild zu schaffen, von dem wir und die nächsten Generationen lernen können“, sagte Krapp. Die Stiftung wolle erreichen, dass die durch von Galen gelebten Grundsätze den Menschen zugänglich gemacht, diskutiert und in den politischen sowie ökologischen Alltag übernommen werden.
Die Ausstellung zeigt das Leben des am 16. März 1878 in Dinklage geborenen von Galen in der Zeit der Weimarer Republik. In seinen drei berühmten Predigten aus dem Jahre 1941 protestierte er in Münster öffentlich gegen die Maßnahmen der Geheimen Staatspolizei, gegen Aufenthaltsverbote, Verhaftungen und die Gefangenhaltung in Konzentrationslagern. Von Galen klagte das NS-Regime öffentlich des Mordes an kranken Mitmenschen an und forderte die Bürger eingehend dazu auf, die göttlichen Gebote zu befolgen und dem NS-Regime den Gehorsam zu verweigern.
Dr. Maria Anna Zumholz erläuterte, dass der 2005 selig gesprochene Bischof von Münster bis heute die Geister spalte. Trotz einer kaum noch zu überblickenden Vielzahl von Veröffentlichungen über von Galen werde auch in Kreisen von Historikern noch kontrovers über Facetten seiner Persönlichkeit diskutiert.
Graf von Galen galt als autoritär deutsch-nationaler Vertreter von Adelsinteressen sowie als Sympathisant der Nationalsozialisten, der das Wesen des NS-Regimes bis 1941 nicht durchschaut habe. „Um zu erklären, wie ein solcher Mann die berühmtesten Predigten des 20. Jahrhunderts schreiben und zum Symbol für den Widerstand werden konnte, ist ein Blick in die Weimarer Zeit erforderlich“, sagte Dr. Maria Anna Zumholz. Auf diese Weise könnten seine politischen Ansichten im Vorfeld der Machtergreifung der Nationalsozialisten einer Betrachtung unterzogen werden.
Die Ausstellung in der LzO Delmenhorst ist noch bis zum 4. Mai 2012 während der bekannten Öffnungszeiten zu sehen.
