DELMENHORST - Im Klinikum Hannover darf mit dem Handy telefoniert werden. Alle Verbotsschilder wurden vor kurzem entfernt.

Von Mechthild Voigt

DELMENHORST - Das bestehende Handy-Verbot wird im städtischen Klinikum und im St.-Josef-Stift vorerst nicht aufgehoben. Damit setzen die beiden Häuser Erkenntnisse neuester Studien nicht um, wonach ein Verbot für Mobiltelefone in Kliniken nicht mehr zeitgemäß und unnötig sein soll. Das Klinikum Region Hannover hatte vor wenigen Tagen das Verbot für Mobiltelefone in seinen zwölf Krankenhäusern aufgehoben.

„Wir können und wollen die Haftung für eventuelle Abstrahlungen und Interferenzen mit Medizingeräten nicht übernehmen“, begründet Rudolf Mintrop, Geschäftsführer des Klinikums Delmenhorst, die Entscheidung.

Christian Neumann, Verwaltungsdirektor des St. Josef-Stifts, steht einer Freigabe von Mobiltelefonen in seinem Haus ebenfalls sehr zurückhaltend gegenüber. Er befürchtet, dass einige in den Krankenzimmern eingesetzte Geräte immer noch empfindlich auf die Handy-Strahlung reagieren. Es sei nicht sichergestellt, dass notwendige Sicherheitsabstände von mindestens einem Meter eingehalten werden.

Nach den aktuellen Studien der renommierten Mayo Clinic in Rochester (US-Staat Minnesota) ist eine Beeinträchtigung medizinischer Apparate durch Handys allerdings nicht gegeben. Die Forscher hatten Telefonate in der Nähe von fast 200 Medizingeräten geführt. Bei ihren Versuchen ergab sich kein Hinweis auf eine Beeinträchtigung. Unabhängig von der amerikanischen Studie belegt eine weitere von der Universität Gießen dieses Ergebnis.

Kritiker vermuten, dass das Handy-Verbot in Krankenhäusern dem Zweck dienen könnte, die Festnetztelefone der Kliniken auszulasten, an denen die Betreiber verdienen. Neben Tagespauschalen fallen zumeist erhöhte Gesprächsgebühren an.

Diesen finanziellen Aspekt sieht Klinikum-Geschäftsführer Rudolf Mintrop nicht, führt aber einen anderen Ablehnungsgrund an: „Wir möchten auch nicht, dass im ganzen Haus Handy-Telefonverkehr stattfindet. Das ist vor allem in einem Krankenhaus eine unerträgliche Belästigung.“