DELMENHORST - Was Frauen in schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen tun können, um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen, war Thema eines Vortrags „Wenn der Lohn nicht reicht“, gehalten von der Sozialwissenschaftlerin und Sozialarbeiterin Irene Veenhuis am Donnerstag beim vierten Frauenberufstag in der VHS Delmenhorst.

Wer wenig verdient, könne bescheiden leben – oder sich zusätzlich zu der niedrig dotierten Hauptbeschäftigung einen abgabenfreien 400-Euro-Minijob suchen. Als Minijobs gelten auch saisonale Beschäftigungen ohne Verdienstgrenze, wenn sie 50 Tage bzw. zwei Monate im Kalenderjahr nicht überschreiten. Im günstigsten Fall könne „frau“ vier Monate am Stück von Anfang November bis Ende Februar des folgenden Jahres zusätzlich jobben, ohne höhere Sozialabgaben bezahlen zu müssen. Wenn die Bezahlung in der Hauptbeschäftigung mehr als 400, aber höchstens 800 Euro beträgt, befindet man sich in der so genannten Gleitzone mit besonders niedrigen Sozialversicherungsbeiträgen. Veenhuis: „Der Vorteil ist, dass Sie krankenversichert sind: Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber darauf an!“

Wer bei einem Verein, der Kirche oder einem Wohlfahrtsverband tätig ist, wird unter Umständen nach der Übungsleiterpauschale entlohnt. In diesem Fall ist ein Verdienst von bis zu 2100 Euro/Jahr steuerfrei. Wer unterhalb des Existenzminimums verdient, sollte sich nicht scheuen, Hartz IV zu beantragen. Vom Schuldenmachen rät Veenhuis ab. Bei unabweisbaren Ausgaben könne man mit dem Jobcenter über ein Darlehen verhandeln.

Bis zur Mittagszeit haben rund 200 Frau den von der Gleichstellungsbeauftragen, der Agentur für Arbeit und der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft organisierten Frauenberufstag besucht. Als besonders positiv empfand Heike Loers von der Agentur für Arbeit die Teilnahme der Jade-Hochschule, der Hochschule und der Uni Bremen. „Es sind viele Frauen hier, die sich höherqualifizieren wollen“, stellte Loers fest.