Bremen - Der Bundestag stimmte kürzlich gegen eine gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten ab 2020. Professor Hilke Brockmann von der Jacobs University ging der Frage nach, ob es nicht eine Mütterquote geben müsste. Fraueninteressen würden meist mit Mütterinteressen gleichgesetzt. Aber Kinder funktionieren nicht im Takt der Arbeitswelt, sondern erschweren den beruflichen Aufstieg von Müttern. Die Soziologin hat untersucht, wie Frauen und Mütter im Bundestag repräsentiert sind. Das Ergebnis: Im Wettstreit um Ämter und bei der Durchsetzung von Politik ist der Mütterstatus gegenüber dem Frauenstatus unterlegen.

Mit der Einführung der freiwilligen Frauenquoten in deutschen Parteien ist nicht nur die Zahl der Frauen im Parlament gestiegen. Die Geschlechter sind bei den Grünen und den Linken annähernd paritätisch repräsentiert. Die Quote wirkt also. Aber nicht alle Frauen profitieren von der Frauenquote im gleichen Umfang. Frauen sind nicht immer Mütter und Mütter haben aufgrund ihrer zeitlichen Restriktionen berufliche Nachteile gerade in zeitintensiven Berufen wie dem des Parlamentariers.

Vor allem Müttern fehlt demnach in den scheinbar entscheidenden Jahren der Karriereplanung die nötige Zeit und Flexibilität, um den Anforderungen eines anspruchsvollen Arbeitsmarktes zu genügen. Da hilft auch kein Krippenplatz bis 18 Uhr, wenn die entscheidenden Meetings in den Abendstunden stattfinden, so Brockmann.

Weibliche Parlamentarier und insbesondere die, die der CDU/CSU und der FDP angehören, berichten signifikant geringere Kinderzahlen als ihre männlichen Amtskollegen von derselben oder von anderen Parteien. Fördert die Quote vor allem kinderlose Frauen, dann drängt sich die Frage auf, ob kinderlose Frauen die beste politische Vertretung von Frauen mit Kindern sind. Dagegen spricht, dass beide Gruppen von Frauen oft sehr unterschiedliche Erfahrungen machen.

Brockmanns Schlussfolgerung ist, dass Frauen- und Mütterquoten in großen Feldversuchen schlicht ausprobiert werden müssten, denn die erschreckende ökonomische Diskriminierung von Frauen und besonders Müttern verlange nach Abhilfe.