Hamburg - Der Ansturm auf deutsche Hochschulen hält an – unter anderem aufgrund doppelter Abiturjahrgänge. In beliebten Fächern wie Medizin oder Psychologie bekommen viele Abiturienten, die kein Spitzen-Abi haben, derzeit keinen Studienplatz. Mancher kommt nun auf die Idee, den Studentenansturm in Deutschland zu umgehen – und den Bachelor komplett im Ausland zu machen.
„Wie viele Abiturienten das machen, wissen wir nicht genau“, erklärt Udo Kleinegees vom Statistischen Bundesamt. Bekannt ist nur die Zahl der deutschen Studierenden aus rund 30 Ländern. Danach gibt es zur Zeit mindestens 58 700 Deutsche im Ausland, die dort einen Bachelor anstreben. „Und in der Tendenz werden es in den letzten zwei bis drei Jahren immer mehr.“ Die beliebtesten Länder für einen Bachelor im Ausland sind die Niederlande, Österreich, Großbritannien und die Schweiz.
Die Laufbahnberaterin Julia Funke warnt jedoch davor, den organisatorischen Aufwand zu unterschätzen. Seit vielen Jahren berät sie Abiturienten zu Themen wie Studienwahl. Es gebe zwar vereinzelt ausländische Universitäten, die Deutschen eine Bewerbung relativ komplikationslos ermöglichen. Dazu gehören etwa ausländische Unis in der Nähe der deutschen Grenze, sowie Ausnahmen wie die Semmelweis-Universität in Budapest. In der Regel sei aber mindestens ein Jahr Planung erforderlich.
Außerdem sei ein Auslandsstudium nicht in jedem Fach zu empfehlen. In Jura, den Lehramtsfächern, Medizin oder Pharmazie sollten Abiturienten sich den Schritt ins Ausland gut überlegen. Das gilt zumindest dann, wenn die Studenten nach dem Abschluss wieder in Deutschland arbeiten wollen. Häufig sei ein deutsches Staatsexamen Pflicht. Bewerber sollten sich hier vorher genau erkundigen, ob der ausländische Abschluss in Deutschland anerkannt ist.
Ob ein Auslandsstudium eine gute Idee ist, hänge schließlich auch davon ab, was für eine Karriere Abiturienten vorschwebt. Wer später in einer internationalen Organisation oder einem global agierenden Unternehmen arbeiten will, kann vom Studium komplett im Ausland profitieren. Bei deutschen Mittelständlern hätten es diese Absolventen jedoch häufig schwer.
Gerade in den USA, England und Australien müssen Studenten außerdem häufig mit hohen Studiengebühren rechnen. Eine Möglichkeit ist, sich in den Ländern selbst um ein Stipendium zu bewerben, rät Funke. Der Deutsche Akademische Austauschdienst, der sonst viele Auslandsstipendien vergibt, fördert ein komplettes Studium im Ausland grundsätzlich nicht, erklärt deren Referatsleiter Claudius Habbich.
Allerdings können Studierende, die den Bachelor komplett im Ausland machen, Bafög beantragen. „Bafög ist in alle EU-Länder und in die Schweiz mitnahmefähig“, sagt Bernhard Börsel vom Deutschen Studentenwerk. Dafür müssten Studenten rund sechs Monate vor Studienbeginn einen Antrag beim Auslands-Bafög-Amt stellen. Dazu könnten sie einen einmaligen Zuschuss zu den Studiengebühren in Höhe von 4600 Euro erhalten.
