Berlin - Ein Bachelor gilt für viele immer noch als halbwertiger Abschluss. Die meisten wollen daher einen Master machen. Doch für etliche heißt es derzeit: Wir müssen leider draußen bleiben. Längst nicht jeder kann sich in seinem Wunschmaster einschreiben. „Schon jetzt sind die Plätze knapp“, sagt Gunvald Herdin, Forscher am Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Für beliebte Fächer wie Psychologie oder Betriebswirtschaftslehre gibt es an vielen Universitäten bereits mehr Bewerber als Plätze.
Doch treffen neue Modellrechnungen des CHE zu, wird sich die Lage bis 2016 noch einmal drastisch verschlimmern. In dem Jahr könnten bis zu 36 000 Masterbewerber leer ausgehen. Denn die Zahl der Bewerber steigt extrem an. Die Forscher errechneten, dass es 265 000 Neueinschreibungen gäbe, wenn 85 Prozent der Bachelorabsolventen einen Master machen wollte. „Bislang kommt eine Übergangsquote von 85 Prozent der Realität am nächsten“, sagt Herdin.
„Die Zahl der Studienanfänger im Master wird sich aller Voraussicht nach verdoppeln“, so Herdin. „Gleichzeitig gibt es bislang jedoch keinen Ausbau der Masterstudienplätze an den Hochschulen im gleichen Umfang.“
Treffen die Prognosen zu, wird also längst nicht jeder Bachelorabsolvent in Zukunft einen Masterplatz bekommen. „Wer jetzt schon einen Bachelor hat, sollte deshalb nicht mehr allzu lange warten, um sich für einen Master einzuschreiben“, rät Herdin. Derzeit seien die Chancen besser, einen Platz zu bekommen, als in drei oder vier Jahren.
Wenn das keine Alternative ist, bleiben Bewerbern aber ein paar Tricks. „Wer keine Top-Noten hat, kann sich etwa an weniger beliebten Hochschulstandorten umschauen“, rät Sebastian Horndasch, Ratgeberautor zum Thema Master-Suche. Mit Ausnahme von Dresden, Leipzig und Berlin sei der Osten bei Studenten immer noch unbeliebter als der Westen.
Eine andere Alternative sei das Fernstudium. Auch hier stünden die Chancen oft besser, einen Platz im Wunschmaster zu bekommen, als im Präsenzstudium. Das Studieren im stillen Kämmerlein sei jedoch für viele nichts, erläutert Horndasch. Außerdem wünschten sich viele ein klassisches Studentenleben mit Vorlesungen in der Hochschule und Kontakt zu anderen Studierenden.
„Viele Möglichkeiten gibt es für Bachelorabsolventen in Deutschland also nicht, wenn es mit dem Wunschmaster nicht klappt“, fasst Julia Funke zusammen. Die Berufsberaterin aus Frankfurt am Main rät deshalb, den Umweg über das Ausland zu gehen.
Wer sich dafür entscheidet, sollte sich aber mindestens ein Jahr vor dem gewünschten Beginn des Masterstudiums darum kümmern, rät Anke Sobieraj vom Deutschen Akademischen Austauschdienst. Denn anders als in Deutschland endet die Bewerbungsfrist für die Studiengänge häufig bereits im Januar oder Februar – statt wie bei uns meist am 15. Juli. Dazu komme, dass die Fristen für Stipendien häufig noch früher ablaufen. Wichtig sei auch, vorab zu klären, ob der ausländische Master in Deutschland problemlos anerkannt wird, so Funke. In Fächern wie Pharmazie oder Psychologie könne es dabei Probleme geben.
In jedem Fall sollten Bachelorabsolventen sich nicht auf einen Wunschmaster versteifen, sondern einen Plan B entwickeln. Die gute Lage am Arbeitsmarkt komme vielen jungen Leuten zugute, sagt Funke. Wer keinen Platz bekomme, könne deshalb auch erst einmal einen Job anfangen – und einen Master anschließen, wenn sich die Lage an den Hochschulen entspannt hat.
