Bremen - Sehr aufregend seien die ersten elektronischen Klausuren an der Universität Bremen gewesen, erinnert sich Dr. Jens Bücking vom dortigen Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZMML). 2004 schrieben Studierende dort erstmals bei einer Klausur nicht mit einem Stift auf Papier, sondern bearbeiteten die Fragen am Computer.
„Die Dozenten des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften wollten als erste E-Klausuren schreiben lassen, weil sie den Korrekturaufwand bei mehr als 900 Prüflingen pro Klausur kaum in angemessener Zeit bewältigen konnten,“ berichtet Bücking. Je nach Art der gestellten Fragen, können diese bei elektronischen Prüfungen automatisch korrigiert werden.
„In den ersten Jahren fanden die E-Klausuren in den normalen Rechnerräumen statt. Das bedeutete, dass die Teilnehmer über mehrere Räume verteilt werden mussten, und dass die Prüfung mehrmals hintereinander laufen musste – teilweise über mehrere Tage verteilt“, sagt Bücking.
Diese Situation trägt dazu bei, dass Prof. Dr. Uwe Weithöner, Vizepräsident für Internationales, Informations- und Mediensysteme an der Jade Hochschule, E-Klausuren eher zurückhaltend gegenübersteht. „Wir setzen in den allermeisten Fällen auf klassische Klausuren“, so Weithöner. Es gebe jedoch fachpraktische Prüfungen, die am Rechner abgelegt werden. „Wenn zum Lösen einer Aufgabe eine bestimmte Software nötig ist, prüfen wir in unseren Rechnerräumen. Da müssen die Studierenden zum Beispiel zeigen, dass sie eine Datenbank anlegen können. Diese Räume sind aber zu klein für Prüfungen mit vielen Teilnehmern.“
Diese Bedenken teilt Bücking nicht. „In der Anfangsphase musste ein einziges Mal der Prüfungsbeginn verschoben werden, weil der Server überlastet war,“ erinnert er sich. „Seit mindestens sieben Jahren läuft aber alles problemlos. Es sind auch noch keine Daten verloren gegangen.“
Da die Nachfrage nach E-Klausuren ständig stieg – im ersten Semester schrieben knapp 2000 Studierende eine E-Klausur, im letzten Sommersemester mehr als 8000 – wurde 2007 in Bremen ein Prüfungszentrum eröffnet. Darin befinden sich 120 Plätze mit Computer, Flachbild-Monitor, Kopfhörer und Mikrofon, sowie Leinwänden und Beamer. Inzwischen haben auch die Unis Duisburg-Essen, Göttingen und die FU Berlin Testcenter nach Bremer Vorbild eingerichtet.
„Elektronische Klausuren bieten vielfältige Möglichkeiten: Grafikprogramme können genutzt werden, Videosequenzen, die bewertet werden sollen, können eingespielt werden, oder ein Chemiker hat zum Beispiel am Computer ein Molekül zusammensetzen lassen“, sagt Bücking.
Wichtig sei, dass beim Entwickeln der Fragen von den Kompetenzen ausgegangen wird, die geprüft werden sollen – nicht von den technischen Möglichkeiten, gibt Bücking zu bedenken. Deshalb kommt jeder Dozent, der eine E-Klausur schreiben lassen möchte, zuerst zur Beratung ins ZMML. Dabei wird Organisatorisches geklärt und die Fragen werden überarbeitet. „Wenn Dozenten auf elektronische Prüfungen umstellen, müssen sie die Fragen auf die Lernziele abstimmen“, sagt Bücking. „Eine E-Klausur sollte neben Multiple Choice auch offene Fragen beinhalten.“
Doch wie wird verhindert, dass die Studierenden die Möglichkeiten eines Computers nutzen, um zu betrügen? „Die Rechner im Testcenter haben keinen Internetzugang. Wenn Prüfungsteilnehmer mit einem Smart Phone oder Tablet erwischt werden, gilt das als Täuschungsversuch“, so Bücking. „Außerdem können wir etwa die Reihenfolge der Fragen verändern oder die Rechner so einteilen, dass benachbarte Arbeitsplätze verschiedene Fragen bekommen.“
