MüNCHEN - Die Szenen gehören zu jedem Semesterbeginn: Verbindungsleute sind mit ihren typischen Farben und den schnieken Uniformen auf dem Campus unterwegs, diskutieren angeregt, versuchen, neue Mitglieder zu gewinnen. Derartige Auftritte sind in Oldenburg zwar höchst selten, aber Studentenverbindungen gibt es auch hier in der Region.
Hinter den Türen der Korporationen tut sich eine Welt aus Traditionen und Pflichten auf, die vielen Studierenden fremd ist. Wer sich darauf einlässt, findet nicht nur feste Strukturen, sondern mitunter auch lebenslange Kontakte, sagen die Befürworter von Studentenverbindungen.
Verbindungen haben für das Leben an der Uni in erster Linie einen sozialen Charakter, sagt Wolfgang Braun vom Cartellverband der katholischen Studentenverbindungen (CV) mit Sitz in München. „Für viele Mitglieder sind sie die erste Anlaufstation an Massenuniversitäten in einer fremden Stadt.“ Von Bedeutung sei dabei auch, ob man in eine beliebige Verbindung eintrete oder eine Korporation wähle, zu der man bereits einen persönlichen Bezug hat.
„Die Einstellung vieler Studentenverbindungen ist sexistisch und antifeministisch, das Menschenbild insgesamt fragwürdig“, sagt dagegen Salome Adam vom Freien Zusammenschluss der Studentinnenschaften (FZS), dem Dachverband der Asten in Deutschland. Männlich, stark, dominant, erfolgreich – so sähen sich die Verbindungsmitglieder. Für Neulinge in den Korporationen bestehe oft ein starker sozialer und psychischer Druck, den vorgegebenen Einstellungen gerecht zu werden.
Was viele nicht wissen: „Die Verbindungshäuser stehen in der Regel für Besucher offen“, sagt Michael Schmidt von der Deutschen Burschenschaft, die 115 Verbindungen in sich vereint. Jeder interessierte Student könne die Korporationen besuchen und sich vor Ort einen Eindruck verschaffen. Oft gibt es auch Tage der offenen Tür. „In persönlichen Gesprächen kann vorgefühlt werden, ob man sich in dieser Gemeinschaft wohlfühlt.“
Attraktiv sind für Studenten vor allem die günstigen Mieten in den Häusern. Oft liegen die Preise bis zu 50 Prozent unter dem ortsüblichen Spiegel, hat Schmidt beobachtet. Offen steht der Wohnraum für Kommilitonen aller Fachrichtungen.
Trotz einiger Vorteile sind Studentenverbindungen immer mit Vorsicht zu betrachten, gibt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk zu bedenken. „Man muss sehr darauf achten, welchem Bund man sich anschließt.“ Das politische Spektrum der Korporationen sei weit – Kritiker monieren in einigen Fällen die politisch rechte Einstellung.
Oft herrschen in den Verbindungen Grob zufolge sehr antiquierte Vorstellungen von Geschlechterdemokratie. Neulinge sollten daher genau prüfen, worauf sie sich einlassen. Wer beitritt, müsse oft die Gesinnung der Korporation mittragen. Von einer kurzfristigen Kosten-Nutzen-Rechnung aufgrund der billigen Mieten rät er deshalb dringend ab. Grundsätzlich sollten sich Studenten überlegen, „ob es nicht freiere oder unabhängigere Zusammenschlüsse gibt“.
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