OLDENBURG - Bundesweit sind etwa 25 000 Stellen für Ingenieure nicht besetzt. Auch Naturwissenschaftler, wie zum Beispiel Physiker und Mathematiker, sind auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt. Gelegentlich rufen Vertreter von Betrieben auf der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften sogar direkt bei den Hochschulen an. So berichtet Anke Westwood, Sprecherin der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven von einem Unternehmen aus der Region, dass in seiner Not direkt bei ihr angerufen habe. Die drei offenen Stellen wurden an Studierende vergeben, die kurz vor ihrem Abschluss stehen.

Trotz der guten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt können bundesweit nicht alle Studienplätze in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften besetzt werden, da es nicht genügend Bewerber gibt. Dieses Problem existiert an der FH OOW nicht. Hier wurden in den vergangenen Jahren alle Studienplätze vergeben.

Die komplette Auslastung kommt nicht von ungefähr, denn die Fachhochschule investiert in diverse Projekte, um die Zahl der Studierenden in den technischen und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen zu steigern. Dazu zählen neben Kooperationen mit Schulen auch zahlreiche Veranstaltungen an der FH, wie der „Schnuppertag Technik“, oder das Projekt „Campus meeting live“, bei dem Interessierte einen Tag lang einen Studierenden begleiten. Beim „Studium auf Probe“ werden Oberstufenschülern eine Woche lang verschiedene natur- und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge an der FH und der Universität Oldenburg vorgestellt.

Auch an der Uni wird einiges getan, um Schüler für Naturwissenschaften zu begeistern. Da gibt es neben der Kinderuniversität, die Tage der Physik oder Chemie, das Chemol-Projekt, bei dem Schüler in den Laboren der Uni experimentieren können, sowie Schul-Patenschaften von Chemikern, die Lehrer und Schüler bei Problemen im Unterricht unterstützen.

Langfristig wird großer Wert auf die Ausbildung der Lehrer an der Uni Oldenburg gelegt. Denn „die Motivation ein naturwissenschaftliches Fach zu studieren muss in der Schule geweckt werden, sonst ist es zu spät“, erklärt Professor Dr. Mathias Wickleder, Studiendekan der Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften. Speziell im Fach Chemie „erntet die Universität bereits die Früchte ihrer guten Lehrerausbildung“, sagt Professor Dr. Sabine Doering, Vizepräsidentin für Forschung und Lehre. So sind in der Chemie auch alle Studienplätze für Erstsemester vergeben. Auch in der Biologie, der Mathematik und Informatik gibt es keine freien Plätze in Oldenburg. Nur in der Physik könnte die Uni mehr Erstsemester aufnehmen. Hier hofft Doering mit der Neubesetzung des

Leiters der Fachdidaktik auf einen ähnlichen Effekt wie in der Chemie.

Ein weiteres Problem sei die traditionell relativ hohe Abbrecherquote in den Naturwissenschaften, so Wickleder. Einen positiven Effekt verspricht er sich von der Umstellung auf Bachelorstudiengänge: „Ein Dozent hat jetzt weniger Studierende zu betreuen. Da merkt man es schneller, wenn jemand Probleme hat und kann besser helfen.“