OLDENBURG - Ab ins Ausland: Dass ein oder zwei Semester an einer Universität außerhalb Deutschlands in jedem Lebenslauf gut aussehen, weiß jeder Student. Doch während die meisten Erfahrungen in den USA, England oder Spanien sammeln, gehen manche nicht den Standardweg. Denn auch die Türkei wird als Studienort immer interessanter.

„In den USA war ich bereits in der elften Klasse“, begründet Svenja Hilck ihre Entscheidung für das etwas andere Auslandssemester. An der Marmara Üniversitesi in Istanbul belegt die 24-Jährige aktuell Kurse an der Fakultät für Politikwissenschaft. Ihren Aufenthalt sieht sie vor allem als effektive Sprachreise.

Interessante Sprache

„Ich habe zu Beginn meines Studiums in Oldenburg angefangen, Türkisch zu lernen. Ich fand die Sprache interessant, weil sie eine völlig andere Struktur hat als Französisch, Spanisch oder Englisch“, erzählt Hilck. In Istanbul hat sie nun die Gelegenheit, ihr Wissen im Alltag zu testen und zu erweitern. „Als ich hier ankam, war ich doch erstaunt, wie wenig ich verstehen kann.“ Doch es wird mit jedem Tag besser. An der Universität finden zudem die meisten ihrer Kurse auf Englisch statt.

Die Möglichkeit, viele Vorlesungen in Englisch zu hören, macht die Marmara bei den Türkei-Studenten sehr beliebt, weiß Christa Weers vom International Student Office (ISO) der Uni Oldenburg. „Man sollte aber trotzdem etwas Türkisch können“, rät sie, „weil man es ja auf der Straße braucht.“ Seit dem Wintersemester 2005/06 können Oldenburger Studierenden über das Erasmus-Austauschprogramm der Europäischen Union ihren Horizont an türkischen Universitäten erweitern. „Wir arbeiten dort mit sieben Partnerunis zusammen“, berichtet Weers. Ein bis zwei junge Menschen aus Oldenburg nehmen pro Jahr die Herausforderung auf sich. Zum Vergleich: Für Spanien, Schweden oder Großbritannien entscheiden sich jeweils zehn bis 18 Studenten.

Nils Nolte hat sich für den aus deutscher Sicht exotischen Weg entschieden. „Das empfehle ich allen, die Vorurteile gegenüber der Türkei haben“, sagt der 26-Jährige. Er besuchte vor rund zwei Jahren die Çukurova-Universität in Adana, einer Millionenstadt im Süden des Landes. „In Istanbul kann man leicht verloren gehen. Adana ist ein bisschen kleiner, da fiel es mir leicht, Anschluss zu finden.“

Wenig Vorurteile bestätigt

Doch nicht jedes Vorurteil über die Türkei ist aus der Luft gegriffen. Nolte hat auch die negativen Seiten des Landes kennen gelernt, wie etwa die Unterdrückung mancher Minderheiten: „Für einige Gruppen, zum Beispiel Schwule und Lesben, ist es nicht einfach“, sagt er. Auch mit politischen Aussagen, beispielsweise zum Umgang mit den Kurden, könne man Leuten leicht auf die Füße treten.

Abraten würde er vom Studium in der Türkei deswegen aber keinesfalls. Denn die guten Erfahrungen und spannenden Geschichten aus der Zeit überwiegen. Nolte: „Wenn man sich auf die Menschen dort einlässt und Interesse an ihrer Sprache und Kultur zeigt, wird man ein wunderschönes Stück neue Heimat mit nach Deutschland nehmen.“

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