OLDENBURG - Auslandsstudium leicht gemacht: Dieses Vorhaben besteht zwar schon länger – seit der Umstellung auf Bachelor/Master in Oldenburg – doch erst jetzt setzt die Universität Oldenburg dieses auch in die Tat um. Seit dem laufenden Wintersemester gibt es in den Bachelor-Studiengängen ein Auslandsfenster, das ein Auslandsstudium und die Anrechnung von im Ausland erbrachten Leistungen vereinfachen soll. Die Uni reagiert damit auf die bundesweit sinkende Zahl an studentischen Auslandsaufenthalten.
Soziale Kompetenzen
„Durch die Straffung des Studiums und die enorme Belastung durch Prüfungen sind immer weniger Studierende in andere Länder gegangen“, sagt Helga Wilhelmer. Die Dezernentin hält Auslandsaufenthalte aber für sehr wichtig, da Studierende neben dem Lehrstoff auch wichtige soziale Kompetenzen erwerben könnten. „Jedes Semester im Ausland ist eine große Bereicherung“, ist sich Jenka Schmidt vom International Student Office sicher. Das sieht auch Roman Behrens so. Der 26-Jährige studierte ein halbes Jahr an der Södertörns Högskola (bei Stockholm) in Schweden: „In einem anderen Land zu studieren ist eine tolle Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann.“
Roman Behrens ist derzeit einer der wenigen, die den Schritt, im Ausland zu studieren, noch wagen, denn: „Viele Studierende können sich eine Verlängerung der Studiendauer nicht leisten“, sagt Wilhelmer. Außerdem gab es bislang häufig Schwierigkeiten in Bezug auf die Anrechenbarkeit von im Ausland erbrachten Studienleistungen. Bei Roman Behrens verlief die Anrechnung zwar problemlos, denn „wenn man vorher alles mit dem betreuenden Hochschullehrer abspricht, gibt es eigentlich keine Probleme“, schildert der Student.
Helga Wilhelmer dazu: „Es mussten die Lehrpläne verglichen werden, ob die Seminare der anderen Universität mit unserer Prüfungsordnung in Einklang gebracht werden konnten. Die Mobilität der Studierenden, die eigentlich durch Bachelor- und Master-Abschlüsse gefördert werden sollte, wurde im Gegenteil behindert.“
Durch das neue Auslandsfenster sollen diese Probleme nun aus der Welt geschafft werden. Bis zu 30 Creditpoints (das entspricht der normalen Arbeitsleistung eines Semesters) können für ein Auslandssemester angerechnet werden. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass die im Ausland erbrachten Leistungen großzügig angerechnet werden“, verspricht Helga Wilhelmer. Einzige Anforderung: Die Studierenden müssen mit Noten zurückkehren.
Kein Allheilmittel
Helga Wilhelmer und Jenka Schmidt, die beiden Initiatoren des Auslandsfensters, sind sich darüber im Klaren, dass die neue Regelung kein Allheilmittel ist. Jenka Schmidt sagt: „Das gilt nur für das Bachelorstudium im außerschulischen Bereich. Bei Lehramtsstudierenden ist der Professionalisierungsbereich stark vorgegeben. Daher ist es nicht möglich, da ähnlich großzügig anzurechnen.“
Dennoch haben Wilhelmer und Schmidt ehrgeizige Ziele: „Die Anzahl von Auslandsaufenthalten soll wieder steigen,“ sind sich die beiden Frauen einig – und um das zu erreichen, sollen die Hochschullehrer mit ins Boot geholt werden: „Die Lehrenden müssen die Studierenden dazu ermutigen, ins Ausland zu gehen“, appelliert Helga Wilhelmer.
Anfang Mai ist ein großer Aktionstag geplant. Dann gibt es Vorträge und Aktionen rund um das Thema Auslandsstudium. Den genauen Termin gibt das International Student Office noch bekannt.
