OLDENBURG - Verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche sind längst kein auf Hauptschulen und soziale Brennpunkte begrenztes Phänomen mehr. „Auch an Gymnasien und schon in Grundschulen sind diese Probleme vorhanden“, sagt Ulrike Heinrichs vom Oldenburger Fortbildungszentrum (OFZ), einer Einrichtung der Universität und der Landesschulbehörde. So stand der neunte Grundschultag unter dem Thema: „Gemeinsam Kinder stark machen! Soziale Kompetenzen aufbauen und fördern.“

Die jährlich stattfindende Tagung richtet sich an Grundschullehrer, Erzieher und pädagogische Mitarbeiter. „Die Weichen für die Persönlichkeit eines Menschen werden früh gestellt“, erzählt Ulrike Heinrichs. „Daher ist die Arbeit in den Kindergärten und der Grundschule von großer Bedeutung.“

Über 300 Teilnehmer informierten sich einen Tag lang in Vorträgen und Workshops über Konzepte und Möglichkeiten, mit den anfallenden Problemen umzugehen oder diese durch Präventionsarbeit von vornherein auszuschließen. Denn Studien belegen, dass die Gewalt an Schulen zunimmt, so Heinrichs. Viele Lehrer seien darauf aber nicht vorbereitet. Sie sagt: „Die Schulen sind mittlerweile nicht mehr nur Lehranstalt, sondern auch Erziehungsanstalt, wenn Eltern überfordert sind oder ihren Kinder bestimmte Werte und Verhaltensregeln nicht vermitteln.“

Das Team des OFZ hatte ein umfassendes Programm ausgearbeitet. „Wir hatten uns überlegt, was alles zu diesem Thema passen würde“, sagt Iris Gericke, die an der inhaltlichen Gestaltung mitarbeitete. „Breit gefächert sollte es sein.“ Es gab verschiedene Vorträge und Workshops, zu denen sich die Teilnehmer im Vorfeld angemeldet hatten. „Einige Themen waren so stark nachgefragt, dass gar nicht alle teilnehmen konnten“, erklärt Iris Gericke.

Besonders großen Zulauf hatte der Vortrag „Überdreht und ungezogen: Was ist wirksam im Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern?“, von Professor Dr. Friedrich Linderkamp (Universität Oldenburg) zu verzeichnen. Der Pädagoge beleuchtete die Hintergründe und Facetten von auffälligem Verhalten und ging auf die historische Entwicklung ein.

Wie die Teilnehmer mit betroffenen Kindern umgehen können, wurde unter anderem im Workshop von Anke Freese und Wiebke Sülzle von der Eibenhorst-Schule in Torsholt (Westerstede) vorgestellt. Die Pädagoginnen stellten das Konzept vor, das in der Förderschule angewendet wird. „Es geht darum, ein Gesamtkonzept zu haben. Einzelne Lehrkräfte können nicht so viel ausrichten, alle müssen zusammen arbeiten“, erzählt Iris Gericke. Andere Themen waren die Entwicklung von sozialen Kompetenzen, Computer-Spiele, Eltern-Kompetenzen und Konfliktsituationen. Ulrike Heinrichs betont: „Die Teilnehmer sollten etwas für die tägliche Arbeit mitnehmen, Rüstzeug an die Hand bekommen – und das haben sie auch.“

Kurzer Ausblick ins nächste Jahr; dann soll ein ganz anderes Thema behandelt werden. „Thematisch wird es um die frühe naturwissenschaftliche Bildung gehen“, blickt Heinrichs voraus.