OLDENBURG - Die Chancen für hochbegabte Studierende ein Stipendium zu bekommen, sind momentan so gut wie seit langem nicht mehr. Denn die Zahl der Stipendien steigt rapide. So hat die Studienstiftung des deutschen Volkes, das größte der elf Begabtenförderungswerke, vor zwei Jahren noch 6000 Stipendiaten betreut. „In den kommenden Jahren sollen bereits 9000 Hochbegabte gefördert werden“, sagt Sprecherin Cordula Avenarius.
Um diese Steigerung publik zu machen, hat die Studienstiftung Schulleiter und Professoren angeschrieben, die berechtigt sind Schüler und Studierende für ein Stipendium vorzuschlagen. Auch Professor Dr. Sabine Doering, Gutachterin der Studienstiftung und Vizepräsidentin an der Universität Oldenburg, berichtet, dass sie einige ihrer Studierenden, denen sie Chancen auf eine Förderung einräumt, auf die verbesserte Situation hingewiesen hat.
Hauptgrund für die gestiegene Zahl an Stipendien ist die Bildungsoffensive von Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Ihr Ministerium wird die staatliche Begabtenförderung ausbauen. Der Anteil der geförderten Studierenden soll von momentan etwa 0,8 Prozent auf ein Prozent gesteigert werden. Dazu wurden die Mittel für die Begabtenförderung im Hochschulbereich bereits von 80,5 Millionen Euro im Jahr 2005 auf 99,4 Millionen Euro im Jahr 2007 erhöht. Und sie sollen weiter steigen.
Auch das Werben um hochbegabte Studierende hat zugenommen. Zahlreiche Begabtenförderungswerke haben ihre Vertrauensdozenten und Stipendiaten gebeten, auf die neue Situation aufmerksam zu machen. Dazu kamen Anzeigen in Zeitungen und Informationsveranstaltungen.
Die zusätzlichen Stipendien werden aber nicht dazu führen, dass die Anforderungen an die Stipendiaten sinken. „Bei der Durchschnittsnote sollte schon eine Eins vor dem Komma stehen“, so Avenarius. „Wir setzen nicht auf Masse statt Klasse“, teilt auch Dr. Gerd-Dieter Fischer, Leiter der Abteilung Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung mit. Die Auswahlausschüsse würden unter den vielen sehr guten Bewerbern jetzt allerdings „mehr Beste“ auswählen.
Neu ist die Förderung für Studienanfänger, die zum Beispiel von der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung angeboten wird. Diese Förderung richtet sich vor allem an sehr gute Abiturienten aus Familien, die es sich nicht leisten können, ein Studium zu finanzieren; besonders an junge Menschen mit Migrationshintergrund. „Wir möchten diesen Schülern die Angst davor nehmen, dass sie ein Studium finanziell nicht schultern können“, erklärt Dr. Martin Gräfe, Sprecher der Abteilung Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Infos auch unter www.begabtenfoerderungswerke.de
