Oldenburg - Wie kann moderne, interaktive und am Körper getragene Medizintechnik jungen Menschen mit psychischen Verhaltensstörungen helfen, im Alltag besser mit ihrer Erkrankung umzugehen?
Diese Frage steht im Zentrum des neuen Verbundprojekts „AwareMe“, an dem die Oldenburger Universitätsmedizin und das universitäre An-Institut Offis beteiligt sind.
Gemeinsam mit zwei Technologieunternehmen wollen die Oldenburger Wissenschaftler einen „interaktiven Assistenten“ erforschen und umsetzen, gefördert bis März 2020 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Fördersumme beträgt gut 1,8 Millionen Euro.
Beispiele für derartige Störungen sind Depressionen, bipolare Störungen oder die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS); sie äußern sich häufig in Gefühlsausbrüchen, mangelnder Organisationsfähigkeit und Vergesslichkeit. 16- bis 30-jährige ADHS-Patienten nimmt das Projekt nun beispielhaft in den Blick.
„Beim Übergang ins Erwachsenenalter entfällt häufig das regelmäßige Feedback der Eltern, bei einem Ortswechsel – etwa wegen der Ausbildung – oftmals auch der Kontakt zu den vertrauten Ärzten und Therapeuten“, sagt Prof. Dr. Alexandra Philipsen, Medizinerin an der Universität Oldenburg und Direktorin der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Karl-Jaspers-Klinik. Somit müssten die jungen Leute das Selbstmanagement verstärkt eigenverantwortlich übernehmen.
Den größten Erfolg bei der Behandlung psychischer Störungen wie ADHS verspricht eine multimodale, also aus unterschiedlichen Elementen bestehende Therapie, so Philipsen.
Das Selbstmanagement der Patienten sei dabei ein wichtiger Baustein. Es umfasst das Erkennen des eigenen Krankheitsverlaufs, das sich Bewusstmachen der aktuellen Situation und Strategien zur Linderung der Symptome.
An diesen Punkten soll der geplante interaktive Assistent ins Spiel kommen. Er erfasst mittels unauffälliger Sensorik am Körper die für die Verhaltensstörung relevanten Symptome und visualisiert sie zum Beispiel auf dem Smartphone.
In passenden Momenten soll der Assistent zudem aktuelle Stimmungen und Selbsteinschätzungen abfragen und diese subjektiven Angaben dann mit den aufgezeichneten objektiven Daten verbinden.
Interaktive mobile Darstellungen unterstützen dann die Reflexion über die eigene Verhaltensstörung und den Verlauf der Symptome. Da der Assistent Sensordaten in Echtzeit erfasst und auswertet, soll er relevante Phasen wie Unruhe unmittelbar erkennen und konkrete Verhaltenshinweise geben können – etwa den Tipp, eine Pause einzulegen oder für körperliche Aktivität als Ausgleich zu sorgen.
Gleichzeitig können die Daten auch eine Grundlage für die Arbeit mit einem Therapeuten darstellen.
Philipsen und ihre Mitarbeiterin Dr. Alexandra Lam wählen die Probanden für das Projekt aus und erheben die Bedarfe der späteren Nutzer des Systems – gemeinsam mit dem Informatikinstitut Offis.
