OLDENBURG - Wie Singvögel, Papageien und Kolibris im Laufe der Evolution ihren Gesang erlernten, gibt auch Hinweise auf die Evolution des menschlichen Sprachvermögens. Das zeigen Arbeiten der Wissenschaftler um Professor Dr. Henrik Mouritsen, Biologe an der Universität Oldenburg und Leiter der Arbeitsgruppe Neurosensorik/Animal Navigation. Die Ergebnisse, die die Oldenburger Forscher zusammen mit der Gruppe um Professor Dr. Erich Jarvis von der Duke University, Durham, USA, erzielten, sind jetzt im Online-Fachmagazin „Plos-One“ erschienen.

Die Wissenschaftler an der Uni Oldenburg fanden am Beispiel der Gartengrasmücke heraus, dass die Bereiche im Vorderhirn, die für das Gesanglernen zuständig sind, in Regionen liegen, die das Bewegungssystem steuern. Ihre Kollegen aus den USA entdeckten bei Papageien und Kolibris bemerkenswert ähnliche Strukturen, die für das Singen und das Erlernen des Gesangs zuständig sind. Obwohl diese drei Ordnungen der Vögel nur sehr entfernt miteinander verwandt sind, liegen ihre Laut-Areale immer in Hirnregionen, die Bewegungsabläufe steuern. Die Laut-Areale befinden sich allerdings an verschiedenen Orten im Gehirn, was darauf hindeute, dass sie sich in der Evolution unabhängig voneinander entwickelt haben, so Mouritsen.

Die auffällige Verbindung mit dem evolutionär älteren Bewegungssystem legt nahe, dass sich das Gesanglernen aus der Bewegungskontrolle entwickelt hat. Der Zusammenhang zwischen Bewegung und stimmlicher Lernfähigkeit, lasse sich auch auf Menschen übertragen, glaubt Mouritsen. „Sprache ist die hoch spezialisierte Fähigkeit, die Bewegungen des Kehlkopfs zu kontrollieren. Wir vermuten, dass sich die Sprachregionen im Gehirn des Menschen auf eine den Vögeln vergleichbare Weise entwickelt haben.“

Diese Forschungsergebnisse stützen die These, dass Sprache sich aus mimischer und gestischer Kommunikation entwickelt hat, so Mouritsen, denn: „Babys gestikulieren, bevor sie sprechen lernen. Die Hirnregionen, die dafür verantwortlich sind, wurden wahrscheinlich im Evolutionsprozess adaptiert und für das Sprechen genutzt.“