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Graduiertenakademie Wissenschaft verständlich präsentiert

OLDENBURG - „Ich darf mich aber korrigieren, oder?“ fragt Friederice Pirschel, Doktorandin der Neurobiologie an der Universität Oldenburg. Das, worum die 27-Jährige gerade gebeten wurde, ist keine ganz leichte Aufgabe: In zwei Sätzen zu erklären, wozu sie forscht und was daran spannend ist. Doch dann fasst Pirschel das Thema ihrer Dissertation „Codierung von taktilen Reizen in Neuronen des Blutegels“ souverän zusammen: „Es geht darum, zu erforschen, wie ein Reiz, der auf die Haut trifft, übersetzt wird. Wir arbeiten in unserer Forschungsgruppe an Blutegeln, weil sie sehr präzise auf Druckreize reagieren.“

Zusammenhänge leicht verständlich zu erläutern, gern auch mal zuzuspitzen – das gilt unter Wissenschaftlern mancherorts immer noch als unwissenschaftlich, weiß Jasmin Döhling-Wölm, Geschäftsführerin der Graduiertenakademie an der Universität Oldenburg. „Wer oft in der Presse auftaucht, gilt unter Fachkollegen schnell als jemand, der seine wissenschaftlichen Ideale verkauft“, sagt Döhling-Wölm. „Manchmal steckt aber auch nur Neid hinter solchen Urteilen – Neid auf die Fähigkeit, bei Fachfremden Interesse für das eigene Thema zu wecken und Financiers für die eigene Forschung zu finden.“

Diese Fähigkeit könne man lernen – etwa in den Workshops zur Wissenschaftskommunikation, die die Graduiertenakademie für Doktoranden, Postdocs und Juniorprofessoren der Universität Oldenburg anbietet – ein professionelles Trainingsangebot, das von der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) unterstützt wird.

Friederice Pirschel hat einen solchen Workshop besucht. Unter Leitung eines erfahrenen Wissenschaftsredakteurs lernten die Teilnehmer, Forschungsthemen journalistisch aufzubereiten. „Es ging darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Keine lange Einleitung, sondern ein flotter Einstieg, der Interesse weckt – und dann ein Text, der nicht zu sehr ins Detail geht und Fachchinesisch weglässt.“ Ihre wichtigste Erkenntnis aus dem Kurs: „Ich nehme dem Forschungsthema nichts weg, wenn ich es für Außenstehende etwas vereinfache.“

Friederice Pirschel ist nie ein Fan des wissenschaftlichen Elfenbeinturms gewesen: „Ich präsentiere mein Thema gern und freue mich, wenn ich interessant erklären kann, was ich mache.“ So hat sie sich – noch als Studentin – im MINToring-Programm engagiert, in dem Studierende naturwissenschaftlich interessierte Schülerinnen und Schüler bei der Studienwahl beraten. Auch beim Girls’ Day, bei dem Mädchen vermeintliche Männerberufe kennenlernen können, und bei der Langen Nacht der Wissenschaft war Pirschel zusammen mit ihrer Arbeitsgruppe vertreten.

„Die Fähigkeit zur Wissenschaftskommunikation ist heute ganz klar ein Karrierefaktor, gerade auch für die Forscherlaufbahn“, sagt Jasmin Döhling-Wölm. „Ein Podcast etwa, in dem ich meine Forschung präsentiere, schafft unter Umständen auch internationale Aufmerksamkeit und kann mich von anderen Bewerbern mit ähnlicher Qualifikation abheben.“ Bedingung sei aber unter anderem eine technisch hohe Qualität – „einfach mal das Mikrofon hinzuhalten und in der Endfassung alle Versprecher in dem Beitrag zu lassen, ist eher peinlich als nützlich.“

Nicht zu unterschätzen ist auch die zusätzliche Karriereoption Wissenschaftsjournalismus, die sich für Forscher eröffnet, die bereits früh gelernt haben, wie Medien „ticken“. „Vor dem Besuch des Seminars zur Wissenschaftskommunikation hat mich Wissenschaftsjournalismus nicht so gereizt, aber nun würde ich es als mögliche Alternative zur Wissenschaft nicht ausschließen“, sagt Friederice Pirschel.

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http://www.pe-oe.uni-oldenburg.de

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