OLDENBURG - Jedes Semester bleiben an deutschen Universitäten bis zu 20 Prozent der Studienplätze unbesetzt. Die Ursache sind aber nicht zu wenige Bewerber, sondern unkoordinierte Zulassungsverfahren zwischen den einzelnen Hochschulen. Nachdem die Zentrale Studienplatzvergabestelle (ZVS) seit 2004 Zug um Zug entmachtet wurde, besteht dieses Problem. Die Hochschulen wollten mehr Mitbestimmungsrechte bei der Studienplatzvergabe, sich ihre Studierenden selber aussuchen. Nun sind – mit Ausnahme einiger weniger Fächer – die Kompetenzen allesamt auf der Seiten der Universitäten und genau das wird diesen zum Verhängnis.
Haben sich die Studierenden vor der Umstrukturierung noch zentral beworben und wurden dann „verteilt“, so bewerben sich die Schulabgänger nun bei vielen Universitäten. „Durch die einfachere Bewerbung über das Internet ist die Anzahl der Bewerber noch mal drastisch angestiegen“, sagt Professor Dr. Mathias Wickleder, Vizepräsident für Lehre an der Universität Oldenburg.
Eigentlich ein Luxusproblem für die Hochschulen, könnte man denken, doch die Situation hat einen Haken: Die Universität Oldenburg muss an alle Bewerber (zu diesem Wintersemester 10 428 für die Numerus Clausus-Fächer) Bescheide verschicken – ein erheblicher Verwaltungsaufwand. Ärgerlich dabei: Oft ist dies vergebens. Hat sich ein Studierwilliger an mehreren Unis beworben und bekommt mehrere Bescheide, so entscheidet er sich für seine Wunsch-Uni – alle anderen Hochschulen bleiben auf der Strecke.
In mehreren Nachrückverfahren müssen nun die noch nicht besetzten Plätze vergeben werden. Die Universitäten wissen aber auch bei diesem Verfahren nicht, ob der jeweilige Bewerber sich womöglich bereits woanders eingeschrieben hat. So kommt es dazu, dass „manche Studienplätze erst im November besetzt werden“, sagt Wickleder. Dieser Umstand führt zu Problemen für die Studierenden, denn diese müssen sich ohne Vorlaufzeit zurechtfinden. Wickleder versichert jedoch: „In Oldenburg sind die Probleme nicht so gravierend für die Studierenden, da hier eine gute Betreuungssituation herrscht.“
Schwerwiegender für die Uni: Manche Studienplätze bleiben unbesetzt. In Oldenburg liege die Quote mit knapp zehn Prozent zwar klar unter dem Bundesdurchschnitt (15 bis 20 Prozent), sagt der Vize-Präsident, doch auch das sei noch zu viel „Unsere Mitarbeiter versuchen wirklich alles, um jeden Platz zu besetzen, doch manchmal klappt das leider trotzdem nicht“, berichtet Wickleder.
Viele Hochschulen überbuchen Studiengänge, das heißt: Sie verschicken mehr Zulassungsbescheide, als Plätze vorhanden sind, weil sie davon ausgehen, dass sich ein bestimmter Prozentsatz der zugelassenen Studierenden an einer anderen Universität einschreibt. Doch auch das ist keine Patentlösung, wie die aktuellen Zahlen zeigen.
Abhilfe könnte ein System schaffen, in dem zentral alle Bewerber gespeichert werden, und auf das jede Universität zugreifen kann. „Prinzipiell stehe ich der Sache offen gegenüber“, sagt Wickleder, „denn es muss auf jeden Fall etwas passieren.“ Konkrete Planungen hierfür gibt es aber bisher nicht. Wickleder rechnet daher nicht mit einer kurzfristigen Lösung, verspricht aber: „Wir sind für das nächste Wintersemester sehr gut aufgestellt. Ein Chaos wird es bei uns weiterhin nicht geben.“
Ein Chaos wird es bei uns
nicht geben“
Dr. Mathias
Wickleder
