OLDENBURG - Gerhard Harms geht nach 35 Jahren als Sprecher der Universität Oldenburg und Leiter der Abteilung Presse und Kommunikation am 1. Oktober in den Ruhestand. Er blickt auf eine ereignisreiche Zeit zurück.
Frage: Herr Harms, Sie hinterlassen ein Team mit acht Mitarbeitern. Können Sie sich noch an die Anfänge erinnern?
Harms: Sehr gut. Da gab es nur zwei studentische Hilfskräfte und mich. Mit den Jahren hat sich das Aufgabenfeld sehr erweitert. Heute machen wir auch viel Marketing, und zwei Mitarbeiter unseres Teams befinden sich in der Ausbildung.
Frage: Ihre Arbeit damals begann gleich turbulent?
Harms: Ja, es war eine spannende Zeit, in der zwei Welten aufeinander prallten: das eher konservativ geprägte Oldenburg und die jungen Universitätsgründer, die Gesellschaftsveränderungen im Sinn hatten. Die Uni war ein zwar gewolltes, aber ungeliebtes Kind. Denken Sie nur an die Namensgebung. Der Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky war den Oldenburgern sehr fremd.
Frage: Also ein verkorkster Start?
Harms: Ja und nein. Der Konflikt hat auch geholfen, die Universität aus dem Grau der vielen Neugründungen herauszuheben. Vor Ort war der Namensstreit ein Problem, überregional machte er die Universität bekannt und das vornehmlich positiv.
Frage: Erst seit 1991 führt die Uni den Namen Ossietzkys offiziell. Eine gute Wahl?
Harms: Ja, Carl von Ossietzky steht für eine Gesellschaft, in der Probleme offen angesprochen, diskutiert und in einem demokratischen Prozess entschieden werden. Der Umgang mit Konflikten ist allerdings in einer so vielschichtigen Institution wie der Uni nicht einfach. Wir versuchen das in unserer Campuszeitung Uni-Info sichtbar zu machen. Da kommen selbstverständlich auch Stimmen zu Wort, die der Uni-Leitung kritisch gegenüberstehen. Das ist wichtig.
Frage: Reibungen scheinen in Ihren Augen immer auch etwas Gutes zu sein?
Harms: Unbedingt. Wissenschaft darf sich nicht nur im Mainstream bewegen. Sie ist mit ihren Erkenntnissen darauf angelegt, Entwicklungen in Frage zu stellen.
Frage: Ein Beispiel?
Harms: Viele Oldenburger Wissenschaftler haben schon in den 70er-Jahren die Umwelt- und Energieforschung aufgenommen. Damals wurden sie von ihren etablierten Kollegen oft belächelt. Heute ist uns bewusst, dass es ohne Forschung in diesen Bereichen keine Zukunft gibt. Sie gehört zum Profil unserer Universität und hat zudem eine große wirtschaftliche Dimension.
Frage: Ist die Uni denn inzwischen in der Stadt angekommen?
Harms: Ja, Stadt und Universität sind heute eng miteinander verbunden. Sonst hätte Oldenburg auch nicht Stadt der Wissenschaft werden können.
Frage: Hat die Kinder-Uni dazu auch ihren Beitrag geleistet?
Harms: Ich glaube, auf emotionaler Ebene einen ganz erheblichen. Dieses Projekt, das wir konzipieren und organisieren, begeistert ja nicht nur viele Kinder, sondern auch Eltern, die sonst mit der Universität wenig zu tun haben.
Frage: Blickt die Uni einer guten Zukunft entgegen?
Harms: Sie ist mit ihren Forschungsschwerpunkten und ihrem breiten Studiengangangebot, in dem die Lehrerausbildung eine große Rolle spielt, sehr gut aufgestellt. Wenn die Medizin noch dazu kommen sollte, dann hat sie etwas geschafft, was vor 15 Jahren niemand für möglich gehalten hätte.
Frage: Und Ihre persönliche Zukunft?
Harms: Ganz zur Ruhe werde ich mich nicht setzen. Aber mein Haus in Ligurien wird mich nun öfter sehen.
