OLDENBURG - „Es kommt nicht darauf an, die letzte Schlacht zu verhindern, es kommt darauf an, sie zu gewinnen“, wird dem Engel im Stück „Ein gutes Omen“ von seinen Vorgesetzten über den Weltuntergang erklärt. Eigentlich sollen er und ein Dämon den Antichrist – ein elfjähriger Junge – dazu bringen, den Weltuntergang herbeizuführen. Aber in den letzten tausend Jahren haben sich die beiden auf der Erde gut eingelebt und sind eigentlich gar nicht an deren Ende interessiert . . .
Die Adaption des Romans von Terry Pratchett und Neil Gaiman ist das Jubiläums-Stück, das die Uni-Theatergruppe „Szentral“ zu ihrem zehnjährigen Bestehen auf die Bühne bringt. Da die Vorstellungen im Januar und Februar alle ausverkauft waren, wird „Ein gutes Omen“ im April wieder aufgenommen.
Gründung eher zufällig
Es ist die erste Wiederaufnahme in der Geschichte der Theatergruppe an der Uni Oldenburg, die 2001 auf dem Mensavorplatz begann: Der „Mittwochstheater“-Gruppe drohte die Auflösung, da ihr Leiter aus Zeitmangel seine Aufgabe niedergelegt hatte. Zwei ihrer Mitglieder trafen sich eher zufällig vor der Mensa und beschlossen, in Eigenregie weiterzumachen. Sie hängten Zettel auf, um Mitstreiter zu finden, und gründeten die Gruppe neu, erinnert sich Norgand Schwarzlose, einer der Gründer und Szentral-Mitglied.
„Die neue Gruppe war basisdemokratisch. So basisdemokratisch, dass wir nicht einmal einen Regisseur hatten“, sagt Schwarzlose. Basisdemokratisch wird auch der neue Name „Szentral“ gewählt und das erste Stück „Ein Inspektor kommt“ auf die Bühne des Uni-Theaters „Out“ gebracht.
Die Inszenierung von „Arsen und Spitzenhäubchen“ übernimmt dann doch ein Regisseur aus den Reihen der Gruppe. „Hier erwies sich die Basisdemokratie als etwas tückisch“, erklärt Schwarzlose. In anderen Bereichen setzt die Gruppe, bei der jeder mitspielen kann, weiterhin auf gemeinsame Entscheidungen. Jeder kann Stücke vorschlagen und die Mehrheit bestimmt, welches davon gespielt wird. Beim Entwurf und Bau des Bühnenbildes arbeiten alle zusammen, genauso wie beim Kartenverkauf, der Technik oder dem Buffet zur Premiere. Ideen zur Inszenierung kann auch jeder einbringen – hier hat allerdings der Regisseur das letzte Wort. In diesem Jahr fiel die Aufgabe Kai Janssen und Matthias Freude zu, die die knapp 500 Seiten starke Vorlage zu einem Theaterstück umschrieben.
Damit Konflikte nicht eskalieren hat die Gruppe Feedback-Runden eingeführt. „Sobald einen etwas stört, setzen wir uns nach einer Probe zusammen und besprechen das Problem“, sagt Schwarzlose. „Das ist wahrscheinlich ein Grund für die lange Existenz der Gruppe“,so der künstlerische Leiter des Out, Kai Janssen. „Wir haben kein starkes Hierarchiegefälle. Jeder kann seine Ideen einbringen.“
Stück an Gruppe angepasst
Normalerweise sei es im Theater – und auch im „Out“ – so, dass sich ein Regisseur die passenden Schauspieler für sein Stück aussucht und auch alles weitere nach seinen Vorstellungen ausgeführt wird. Bei „Szentral“ hingegen wird das Stück an die Gruppe angepasst. „Wir haben schon Rollen zusammengefasst oder aufgesplittet oder das Geschlecht verändert“, sagt Janssen. „Oft schaffen wir es aber auch gerade dadurch, interessante Akzente zu setzen. In „Ein gutes Omen“ gibt es zum Beispiel drei Apokalyptische Reiterinnen und nur einen Reiter, nämlich den Tod, der dadurch nie so richtig dazugehört, obwohl er eigentlich ihr Anführer sein sollte.“
