OLDENBURG - Konzentrierte Stille herrscht in einer Technischen Werkstatt an der Universität Oldenburg. Hier klappert leise ein Stück Draht, dort wird ein Lötkolben abgelegt. Schüler einer achten Klasse der Oberschule Osternburg sind dabei, aus Draht ein Fahrrad zusammen zu löten. Dieses wird mit einer elektrischen Schaltung und einer Lampe versehen, die erst leuchtet, wenn sie einen Impuls bekommt, wie Hartwig Kloth erklärt. Er studiert im siebten Semester Lehramt und absolviert hier ein Praktikum. „Die Studierenden haben ein Semester Zeit, um die Unterrichtseinheiten zu planen, die sie im folgenden Semester mit den Schülern durchführen wollen,“ erklärt Prof. Dr. Gert Reich, der das Lehr-Lern-Labor Technische Bildung leitet.
Dieser außerschulische Lernort ist eines der sechs Oldenburger Lehr-Lern-Labore (OLELA). „Wir wollen ein Netzwerk zwischen Schulen und der Uni aufbauen, in dem es einen regen Austausch gibt und in dem Erkenntnisse aus der Uni auch in den Schulen erprobt werden,“ sagt Katharina Dutz, wissenschaftliche Koordinatorin der Lernorte für Technik.
Das Zusammenspiel von experimentellem Lernen von Schülern, Praxiserfahrung für Studierende und Forschung, die untersucht, wie Unterrichtseinheiten verbessert werden können oder wie Besuche in den Laboren am besten in den Unterricht eingebettet werden, zeichne das Oldenburger Modell gegenüber anderen aus, sagt der Physiker Prof. Dr. Michael Komorek, Leiter des Lehr-Lern-Labors physiXS: „Außerschulische Lernorte gibt es viele, aber dieses Konzept und dass an einer Universität sechs Labore aus fünf verschiedenen Fächern angeboten werden, ist meines Wissens, bundesweit einmalig.“
Das Konzept scheint erfolgreich zu sein: Nicht nur in der Technik-Werkstatt wird konzentriert gearbeitet, auch in der Grünen Schule im Botanischen Garten gucken Schüler ganz genau durch ein Binokular, um die Struktur einer Eulenfeder zu erkennen.
Im Chemie-Labor sind sie eifrig dabei, wenn es darum geht, wie Gummibärchen einen versunkenen Schatz bergen können, ohne nass zu werden – es gelingt mit Hilfe einer Teelichthülle, in der die Bären liegen, und einem darübergestülpten Becher.
Wie das Internet funktioniert erklären die Studierenden Felix Hühnlein und Marius Dehé mit Hilfe von Pappschachteln. „Anfangs sind die Schüler oft enttäuscht, dass wir keinen Laptop in unserem Koffer haben, aber zum Schluss finden sie gerade das gut“, berichtet Dehé. Lernkontrollen am Ende der Unterrichtseinheit belegen, dass das Konzept aufgeht: „70 bis 100 Prozent der Schüler haben das Prinzip verstanden“, so Dehé und auch nach drei Wochen hätten sehr viele das Gelernte noch im Kopf. In vollkommener Dunkelheit den Weg durch einen Tunnel zu finden, ist eine Aufgabe in der Sinnesschule. Hier müssen sich die Schüler auf ihre Hände und Füße verlassen. Und im Physik-Labor beobachten die Schüler einer vierten Klasse der Grundschule Ofenerdiek zum Beispiel, wie sich die Anzeige des Strommessgeräts verändert, wenn die Photovoltaik-Zelle weiter von der Lichtquelle weggeschoben wird und suchen nach einer Erklärung.
Dass Schüler auf diese Art lernen, sei jedoch mit außerschulischen Lernorten nicht flächendeckend zu gewährleisen, sagt der Physiker Komorek. „Deshalb ist für mich das ferne Ziel, dass Schulen schülerlaborartiger werden, so dass regulärer Unterricht mehr und längere Experimentierphasen enthält.“
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