OLDENBURG - Ein Zukunftsthema, das auch in der Schule ankommen soll: Die Frage nach der Energie von morgen wird derzeit sehr häufig gestellt. Grund genug, dass sich auch der Nachwuchs früh damit auseinandersetzt. Der Fachbereich Biologiedidaktik der Universität Oldenburg hat sich im Rahmen des Projekts „Energiebildung“ mit diesem Thema beschäftigt.
Um passendes Unterrichtsmaterial zu erstellen, haben die Theoretiker der Universität die Praktiker aus der Schule, nämlich die Lehrer selbst, mit ins Boot geholt. „Wir wollten die Erfahrung der Lehrer als Experten nutzen“, erklärt Kerstin Heusinger, Projektmitarbeiterin von der Uni Oldenburg. „Es war ein bunter Strauß von Lehrern aus allen Schulformen dabei.“
Über fast drei Jahre hat man sich regelmäßig zusammengesetzt, um Unterrichtseinheiten und Material zu entwickeln. Die Ergebnisse wurden im Laufe der Zeit von den Lehrern im Unterricht getestet. Die Erfahrungen daraus kamen wiederum in der Gruppe zur Sprache und führten zur Optimierung der Ideen.
Konkret beschäftigten sich die Projektteilnehmer mit Windkraftanlagen und deren positiven und negativen Auswirkungen auf die Natur, zum Beispiel auf die Vogelwelt. „Um sich ein Urteil über die Windräder zu bilden, braucht man sehr viele Informationen“, stellt Projektleiterin Professor Dr. Corinna Hößle fest.
Das erstellte Material soll den Schülern helfen, diese Informationen zu finden und zu bewerten. Zugleich versuchte die Gruppe, ein Instrument zur Diagnose der Bewertungskompetenzen der Schüler bei so einem ethisch belegten Thema zu entwickeln. Ein weiteres Ziel war, den Energiesektor ins Interesse der Schüler zu rücken, die sich in der Berufsorientierung befinden, zu setzen. „Schließlich gibt es dort Fachkräftemangel“, gibt Hößle zu bedenken.
Die Ergebnisse der Arbeit sollen Ende des Jahres in der Fachzeitschrift „Unterricht Biologie“ veröffentlicht werden und dann allen Lehrern als Arbeitsmaterial dienen. Das Erarbeitete sei für die Umsetzung in der Schule gedacht, „denn es ist alles erprobt und nicht nur am Schreibtisch entstanden“, sagt Hößle.
Aus ihrer Sicht ist diese Arbeitsweise gemeinsam mit den Lehrer der richtige Weg. Nicht nur das Material sei praxisnah. Auch die Uni profitiere, da die Erfahrungen aus dem direkten Kontakt in die Lehrerfortbildung einfließen würden. „Außerdem genießen es die Lehrer, sich mal ganz in Ruhe austauschen zu können“, hat Hößle festgestellt.
Allerdings sieht sie die vermehrte Arbeitsbelastung der Lehrer mit Sorge und vermisst die Rückendeckung durch das Kultusministerium. „Viele bekommen für solche Projektarbeit keine Freistellung“, kritisiert Hößle. „Für die Lehrer bleibt unterm Strich wenig Anerkennung durch die Schule.“
