OLDENBURG - Raus aus dem Hörsaal, rein ins Klassenzimmer: Ein innovatives Seminarkonzept brachte im vergangenen Wintersemester eine Gruppe Studierender und Schüler zusammen, um Fragen der Biologie zu lösen. Eine Idee, die sich aus Sicht der Organisatoren bewährt hat.
„Es ging dabei um das forschend entdeckende Lernen von Schülern“, erklärt Professor Dr. Corinna Hößle, Leiterin der Biologiedidaktik an der Universität Oldenburg. An der Ganztagsschule Syke überlegten sich Fünftklässler, die das Biologielabor als Nachmittagsprogramm gewählt hatten, eigene Forschungsaufträge. So untersuchte zum Beispiel eine Gruppe die Bestandteile eines Energy Drinks, eine andere wollte wissen, wie Hamster in Freiheit und in Gefangenschaft leben. „Wichtig war, dass die Schüler selbst auf die Fragen und die Antworten kommen sollten“, sagt Kerstin Heusinger von Waldegge, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin das Projekt begleitete.
Schüler finden Lösungen
Auf Schritt und Tritt den Nachwuchsforschern auf den Fersen: die Studierenden. Sie hatten während dieser Zeit die Aufgabe, ihre jeweilige Gruppe zu begleiten und Hilfestellung zu geben, ohne jedoch Vorgaben zu machen. „Sie mussten lernen“, so Hößle, „sich zurückzuhalten und nicht zu belehren.“
Die angehenden Lehrer sollten auf diesem Weg mit eigenen Augen erfahren, wie Kinder eigentlich lernen, selbstständig Probleme angehen und nach Lösungen suchen. „Die Studenten haben erlebt, dass sie den Kindern auch Freiraum geben müssen“, sagt Heusinger von Waldegge. „Und sie haben gesehen“, ergänzt Hößle, „dass es so tatsächlich geht.“ Denn oft gebe es bei dieser Art des Lehrens die Angst, dass man nicht alles im Griff habe und dass dabei nichts gelernt werde. Die Präsentationen, die die Kinder am Schluss bei einem Forscherkongress an der Universität vorstellten, und die Antworten der Studenten aus den Evaluationsbögen zeigen allerdings das Gegenteil.
Auch an der Schule in Syke sind bis heute die Nachwirkungen des Projekts zu spüren. Das Biologielabor erfreue sich einem noch besseren Zuspruch, berichtet Lehrerin Melanie Buß, die vor Ort das Seminar begleitete. „Es gibt viel Mundpropaganda unter den Schülern.“
Theoretische Vorbereitung
Für Hößle sind diese Ergebnisse ein Zeichen, dass der direkte Kontakt zwischen Universität und Schule eine gute Ergänzung für die Lehrerausbildung ist. Zwar gebe es das Schulpraktikum, „aber dort werden die Studenten oft ein wenig allein gelassen“. Für ihr Seminar dagegen gab es eine theoretische Vorbereitung, zudem war stets ein Ansprechpartner vor Ort.
Auch Studentin Sabrina Schoon hat mit diesem Seminar gute Erfahrungen gemacht. Praxis sei wichtig, sagt sie, und sie habe viel über den Umgang mit Schülern gelernt. „Die Uni sollte mehr solche Seminare anbieten“, findet Schoon, auch wenn „der zeitliche Aspekt sehr groß war“.
Tatsächlich kostet diese Art der Seminargestaltung natürlich viel Zeit. Zeit, die in den vollgepackten Stundenplänen der Bachelor- und Masterstudiengänge kaum verfügbar ist. Doch die Teilnahme an dieser Art von Seminaren müsse ermöglicht werden, meint Hößle, um den Kontakt zwischen Universität und Schule zu intensivieren. „Denn wenn wir Schule in der Lehrerausbildung nicht mitdenken, bereiten wir die Studenten schlecht vor.“
