OLDENBURG - Libellen, die saubere, naturnahe Fließgewässer als Lebensraum benötigen, sind in der Region Weser-Ems nach wie vor in ihrem Bestand bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Oldenburg unter der Leitung von Professor Dr. Rainer Buchwald vom Institut für Biologie und Umweltwissenschaften, die von der EWE Stiftung gefördert wurde. Der Diplom-Landschaftsökologe Tammo Lieckweg hat hierzu die Vorkommen von sieben Libellenarten in der Region erfasst und mit Daten aus den 80er Jahren verglichen.
Die Zahl der Libellenvorkommen ist praktisch unverändert, das heißt „die Libellen sind unverändert gefährdet“, so Buchwald. Die Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre scheinen folglich nicht gefruchtet zu haben. Gründe dafür seien der unverändert hohe Schad- und Nährstoffeintrag vor allem durch Spritz- und Düngemittel sowie eine zu gründliche Pflege der Gewässer, so Lieckweg.
Wird ein Bach zum Beispiel an beiden Seiten ausgemäht und womöglich sogar noch die oberste Bodenschicht abgetragen, werden mit den Wasserpflanzen auch praktisch alle Libellenlarven, die im Wasser leben, an Land geworfen. Das hat Folge, dass die Larven sterben. „Mit so einer Aktion kann praktisch eine ganze Population ausgelöscht werden“, erklärt Lieckweg. Dies sei besonders problematisch, da die einzelnen Libellenvorkommen im Weser-Ems-Gebiet oft 30 bis 80 Kilometer voneinander entfernt liegen. Da einige Arten sich nicht weit von ihrem „Wohnort“ entfernen, kann es passieren, dass so ein zu sehr gepflegtes, eigentlich naturnahes Gewässer nicht wieder von Libellen besiedelt wird, auch wenn die Pflanzen nachgewachsen sind.
Eine Art, die Vogel-Azurjungfer, konnte bei der aktuellen Bestandsaufnahme nicht mehr gefunden werden. Die häufigste, die Blauflügel-Prachtlibelle, lebt an 14 Fließgewässern, zum Beispiel in der Umgebung von Wildeshausen, im Raum Osnabrück und bei Lingen im Emsland.
Um das Überleben der Libellen zu sichern, müssten naturnahe, saubere Fließgewässer erhalten bleiben, so die Wissenschaftler. Auch bei der Gewässerpflege könnten Libellen relativ einfach geschont werden, sagt Buchwald: „Wenn pro Jahr immer nur eine Seite des Baches gemäht wird, überleben genügend Libellenlarven und die Fließgeschwindigkeit ist auch noch ausreichend hoch.“
