OLDENBURG - Einerseits wird bundesweit über Fachkräftemangel geklagt, andererseits leben viele Fachkräfte unter uns, die nicht eingesetzt werden können, weil ihre Abschlüsse in Deutschland keine Gültigkeit haben. Grund genug für die Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven am Standort Oldenburg ein Migrationsprogramm für Bauingenieurwesen zu konzipieren, das zum Wintersemester startet.

„An der Universität Oldenburg werden bereits die beiden Migrationsstudiengänge „Interkulturelle Bildung und Beratung“ sowie „Informatik für Migranten“ erfolgreich angeboten“, berichtet Professor Dr. Thomas Priesemann, der den FH-Studiengang entwickelt hat. „Wir kooperieren deshalb mit den Kollegen und können von deren Erfahrungen profitieren.“ Auch das Land Niedersachsen, das das Programm fördert, hat großes Interesse daran, dass hochqualifizierte ausländische Kräfte für unseren Arbeitsmarkt qualifiziert werden. „Angesichts der demografischen Entwicklung sind Unternehmen bundesweit auf diese Personen angewiesen“, macht Priesemann die wirtschaftliche Lage deutlich. Für ihn ist es aber auch eine humanitäre Frage, dass hochqualifizierte Menschen in ihrem Beruf arbeiten dürfen.

Dazu müssen sie jedoch noch einmal die Hochschulbank drücken. „Es handelt sich um einen verkürzten Aufbaustudiengang von drei Semestern mit dem Abschluss Bachelor of Engineering“, sagt Priesemann. „Bei den meisten Teilnehmern, die aus ganz Deutschland zu uns kommen, stellen wir fest, dass ihre technische Ausbildung unserer entspricht. Ihnen fehlen deshalb vor allem Kenntnisse über hiesige Wirtschafts- und Firmenstrukturen. Wer aus osteuropäischen Ländern kommt, ist es aufgrund dort herrschender Hierarchien nicht gewöhnt, eigene Entscheidungen treffen zu dürfen.“

Damit der Sprung von der Theorie in die Praxis nicht allzu groß ist, beinhaltet das Programm ein Praxissemester. „Deshalb suchen wir Firmen, die diese Studierenden aufnehmen und bei Bedarf auch einstellen“, berichtet Thomas Priesemann, der insgesamt zehn Studierende aufnehmen kann.

Sowohl Qualifizierte aus anderen Ländern als auch interessierte Unternehmen können sich an die FH OOW unter der Telefonnummer 0441/77083350 wenden oder an folgende Mail-Adresse: eike.jacobs@fh-oldenburg.de.

www.fh-oow.de/tki.