OLDENBURG - Wenn Jens sich beim Mittagessen in der Mensa umschaut, fühlt er sich fast ein bisschen einsam. Nicht dass es leer wäre, die Tische sind wie immer gut besetzt. Doch auf den Stühlen sitzen fast nur Bachelor- und Masterstudenten. Und Jens? „Ich studiere auf Diplom.“
Der 28-Jährige gehört auf dem Campus zu einer aussterbenden Spezies. Mit dem Bologna-Prozess und der Umstellung auf die neuen Studiengänge wurde auch das Ende der bis dato angestrebten Abschlüsse besiegelt. Doch es gibt sie noch, die Diplom-, Magister-, und Lehramtsstudenten.
991 sind es ganz genau, weiß Helga Wilhelmer, Leiterin des Dezernats für studentische und akademische Angelegenheiten an der Universität Oldenburg. 696 Diplom-, 151 Magister- und 144 Lehramtsstudenten hat sie in diesem Semester noch auf ihrem Zettel – immerhin rund zehn Prozent der eingeschriebenen Studentenschaft. „Und wegen der Studiengebühren ist auch davon auszugehen, dass die noch aktiv sind“, sagt Wilhelmer. Rund 750 Euro inklusive aller Gebühren mussten die Studenten für das Sommersemester bezahlen – eventuelle Langzeitstudiengebühren noch nicht eingerechnet. Zu viel, um als Karteileiche zu gelten.
„Die meisten Nachzügler haben Probleme, Beruf und Studium in Einklang zu bringen“, meint Wilhelmer. Einige hätten die maximal möglichen drei Urlaubssemester genutzt und sich auf dem Arbeitsmarkt versucht.
Auch Jens kennt dieses Problem. „Ich habe viel nebenbei gearbeitet, um Berufserfahrung zu sammeln, aber auch um das Studium und die Gebühren zu finanzieren“. Allerdings gibt er auch zu: „Manchmal habe ich die Lernerei auf die lange Bank geschoben.“
Prüfungsamt vor Auflösung
Doch langsam müssen sich er und all die anderen Studierenden der alten Abschlüsse ranhalten. Für Magister und Lehramt gibt es bereits keine eigenen Lehrveranstaltungen mehr. Wem Scheine fehlen, der muss sie sich in passenden Bachelor-/Master-Seminaren verdienen. Für die Diplomabschlüsse gibt es noch einige wenige Veranstaltungen, da diese Studiengänge später auslaufen. Besonders Lehramtsstudenten müssen den Abschluss schnell anstreben, da das zentrale Prüfungsamt fürs Examen Ende des Jahres aufgelöst wird.
Eigenverantwortung nötig
„In jeder Fakultät gibt es verantwortliche Ansprechpartner für Langzeitstudenten“, erzählt Wilhelmer. Sie sollten im Zweifel zu Rate gezogen werden. Zudem gibt es spezielle Workshops und Seminare unter dem Motto „Endspurt – das Studium beenden“. Doch all dies nützt nichts, wenn die Nachzügler nicht selbst mitziehen. Wilhelmer: „Wir müssen auch auf die Verantwortung der Studierenden setzen.“
