OLDENBURG - „Wenn ein Lehrender für seine Forschung brennt, kann er meist auch seine Studierenden mitreißen“, beschreibt Prof. Dr. Gunilla Budde einen Impuls des „forschungsorientierten Lernens“. „Es ist sowohl eine Bereicherung für die Studenten, wenn sie schon in den ersten Semestern mitforschen dürfen, als auch für die Dozenten, die durch die Fragen und Anregungen der Studierenden auf neue Aspekte aufmerksam werden“, führt die Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Universität Oldenburg weiter aus.
Die Idee der „forschungsorientierten Lehre“ sei nicht neu, sondern gehe auf das Humboldtsche Ideal des Zusammenhangs von Forschung und Lehre zurück, so Budde. „An der Universität Oldenburg wurde diese Idee schon immer groß geschrieben, und das Präsidium sieht es als eine wichtige Aufgabe an, dieses Profil weiter zu schärfen.“
Gute Voraussetzungen
Die Grundvoraussetzungen dafür sind nach Ansicht der Vizepräsidentin an der Universität Oldenburg denkbar gut. Als mittelgroße Uni mit kurzen Wegen begünstigt sie auch einen fächerübergreifenden Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden. „Eine Fragestellung aus dem Blickwinkel eines anderen Faches zu betrachten, ist immer eine Bereicherung“, erläutert Budde.
Der traditionell enge Kontakt zwischen Lehrenden und Studenten sei eine weitere Basis. „Diese Nähe wird uns immer wieder durch Evaluationen aber auch von Seiten der Studierenden bestätigt“, betont die Professorin.
Die Verankerung der Universität in Stadt und Region, die einen frühen Kontakt der Studierenden zu Unternehmen oder Museen erleichtert, binde die forschungsbasierte Lehre überdies an die mögliche spätere Berufspraxis. Und nicht zu vergessen die Professorenschaft: „Hier haben wir den Generationenwechsel weitgehend vollzogen“, erklärt Budde. „Viele der jüngeren Kolleginnen und Kollegen sind sehr offen für neue Wege der Wissensvermittlung. Entsprechend nehmen sie auch das hochschuldidaktische Angebot der Universität in Anspruch, das auch in Richtung forschungsorientierte Lehre wegweisend ist.“
Konkrete Umsetzungen
Daraus ergeben sich vielfältige konkrete Umsetzungen. In den Wirtschaftswissenschaften etwa drehen Studierende Filme für Berufsschüler, bei denen sie von der Idee bis zum Dreh alles selbst bewältigen. Eine schülernahe „story“ ist dabei das Leitmotiv.
Im Studiengang „Marine Umweltwissenschaften“ werden in Zusammenarbeit mit der Universität Groningen die Konsequenzen des Wandels in der Artenvielfalt und dessen Umweltfolgen bearbeitet. In Zweiergruppen entwickeln die Studierenden Fragestellungen und Lösungsansätze. Die besten davon werden in einem Praktikum erprobt.
Auch Ausstellungen, die von Studierenden konzipiert werden, oder selbst organisierte und durchgeführte Studienkonferenzen sind weitere Facetten des „forschungsbasierten Lernens“. Der Lehrplan der geplanten European Medical School Oldenburg-Groningen passt ebenfalls zu dieser Idee. Hier werden die Studierenden von Beginn ihres Studiums an mit Patienten in Kontakt kommen und anhand konkreter Krankengeschichten Wissen erwerben.
„Forschungsorientierte Lehre“ wirkt sich nicht zuletzt auch auf Prüfungsformen aus. So stehen Studierende immer öfter vor der Aufgabe, ein Poster zu erstellen, auf dem sie die Ergebnisse ihrer Forschungen plastisch bündeln. Hierdurch werden sie frühzeitig eingeführt in gängige Formen wissenschaftlicher Kommunikation, lernen die „Sprache“ ihrer Fachkultur und können früh „mitreden“.
