OLDENBURG - Unter den besten jungen Forschern, die sich in diesem Jahr mit ihren Projekten um den Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung beworben haben, sind auch zwei Gruppen von Studierenden der Universität Oldenburg. Sie gewannen jeweils einen dritten Preis mit ihren Beiträgen zum Wettbewerbsthema „Mittelpunkt Mensch? Leitbilder, Modelle und Ideen für die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben“. Die Pädagogin Hilke Schulz und die Psychologie-Studentin Rieke Matthei waren mit ihrem Beitrag „Den Alltag neu erproben – Theater der Befreiung – ein Projekt mit Arbeitslosen“ erfolgreich. Die angehende Diplomhandelslehrerin Lydia Plagge und Jürgen Sackbrook, Student der Wirtschaftswissenschaften, haben sich Gedanken über „Vom ‚Mittelpunkt Wirtschaftsforschung' zum ‚Mittelpunkt Mensch'" gemacht.

Ziel des von ihnen entwickelten Unterrichtskonzeptes ist es, Schüler zum Nachdenken über wirtschaftsethische Fragen anzuregen. Dabei gehen sie zum Beispiel von Nachrichtenthemen, wie der Schmiergeldaffäre bei Siemens aus. Außerdem führen Plagge und Sackbrook den Schülern vor Augen, dass Handlungen in der Wirtschaft keinesfalls einen naturgesetzlichen Charakter haben, sondern vom Menschen gemacht sind und daher auch durch ihn geändert werden können. Daraus ergibt sich, dass jeder in gewissem Rahmen Einfluss auf Abläufe in der Wirtschaft nehmen kann, etwa durch sein Konsumverhalten. Die große Nachfrage nach Bio-Produkten sei beispielsweise mit einem gestiegenen Verantwortungsbewusstsein vieler zu erklären, so Sackbrook.

Mit dem gesellschaftlichen Problem der Arbeitslosigkeit beschäftigten sich Hilke Schulz und Rieke Matthei. Sie spielten mit Arbeitslosen Situationen durch, in denen diese sich schlecht behandelt fühlten. Dazu zählten etwa Termine bei der Agentur für Arbeit oder Begebenheiten, bei denen der Arbeitslose von anderen als fauler Arbeitsunwilliger betrachtet wurde.

Das Spiel auf der Bühne wurde nach einer gewissen Zeit unterbrochen, um einen Schauspieler durch einen Zuschauer zu ersetzen. Dadurch veränderte sich der Verlauf der Situation, und neue Handlungsstrategien entwickelten sich, die auch im Alltag hilfreich sein können. Sowohl die Reaktionen der Arbeitslosen als auch die des Publikums seien sehr positiv gewesen, sagt Schulz. „Das Stück hat vielen Mut gemacht, die Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen, anstatt sich immer weiter aus der Gesellschaft zurückzuziehen.“