OLDENBURG - In wenigen Monaten wird Professor Dr. Alexander Nicolai auf fünf Jahre Arbeit zurückblicken und sie bewerten. Evaluation heißt das im Fachjargon, ein Prozess, der zum täglich Brot an der Universität gehört. Doch was Nicolais Rückblick ein wenig anders machen wird, ist, dass seine Arbeit nicht von der Uni finanziert wurde. Denn er besetzt die Stiftungsprofessur Entrepreneurship, eine von außen finanzierte Wissenschaftsstelle an der Universität Oldenburg.
Gute Erfahrungen
Unsere Erfahrung damit ist gut, lautet Nicolais erste Bilanz über die Stiftungsprofessur. Seit 2005 finanziert der Stifterkreis, bestehend aus dem Arbeitgeberverband Oldenburg, dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Nordmetall, der Wirtschaftlichen Vereinigung Oldenburg Der Kleine Kreis sowie der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), seine Arbeit sowie eine halbe Mitarbeiter-Stelle in seinem Team. Den Vorteil sieht Nicolai vor allem in der Nähe zu den Forschungsobjekten. Nicolai: Wir sitzen auf der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.
Neun Professuren
Nicolais Professur ist eine von neun privat finanzierten Professuren an der Uni Oldenburg. Neben der Stelle Entrepreneurship gibt es Stiftungsprofessuren in den Bereichen Slavistische Literaturwissenschaft, Neurosensorik, Strahlenphysik, Marine Biodiversitätsforschung, Windenergiesysteme, Ökonomische Bildung, Küstenforschung und Energietechnologie.
Unternehmen und Stiftungen finanzieren die Forscher; für die Geldgeber ist das eine Methode, die eigene Zukunft zu sichern. Mit diesem Instrument können Unternehmen einzeln oder im Verbund darauf hinwirken, dass ihre spezifischen regionalen und fachlichen Bedarfe an akademischem Nachwuchs besser gedeckt werden, meint der IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters.
Auch die neue Uni-Präsidentin Professor Dr. Babette Simon, die das System aus ihrer Zeit in den USA sehr gut kennt, sieht darin den Vorteil, trotz chronisch klammer öffentlicher Haushalte neue Forschungsrichtungen einschlagen zu können. Besonders im Rahmen der Nachwuchsförderung kann man so zum Beispiel durch Juniorprofessuren attraktive Stellen schaffen, glaubt Simon.
Doch es gilt auch einiges zu beachten. So sind die Stiftungsprofessuren in der Regel auf fünf bis zehn Jahre begrenzt, danach muss die Uni die Folgekosten tragen oder die Stelle wieder streichen. Simon legt zudem Wert darauf, dass nicht jedes Angebot angenommen werden darf, nur weil Geld winkt. Es muss inhaltlich zum Profil und zu den strategischen Überlegungen der Universität passen, betont sie.
Forschungsfreiheit
Kritiker des Systems befürchten, dass die Wissenschaft nach der Pfeife der Geldgeber tanzt. Diese Gefahr sieht Simon nicht: Ich sehe uns nicht in unserer Autonomie und Forschungsfreiheit eingeschränkt. Auch Nicolai hat in den vergangenen fünf Jahren keine Erfahrung mit Richtungsansprüchen der Stifter gemacht. Im Gegenteil: Die Unternehmen fragen eher uns, wie sie helfen können. Ende des Jahres allerdings läuft der Stiftervertrag aus dann soll die Universität wieder die Kosten tragen.
