Oldenburg/Papenburg - Bereitet der Bachelor unzureichend aufs Berufsleben vor? Die Mehrheit der Studierenden sieht das laut einer Allensbach-Umfrage so. „Wir haben fünf Bachelorabsolventen von der Jade Hochschule eingestellt, die sehr gut sind“, entgegnet Ralph Zimmermann, Fachbereichsleiter Vermessung bei der Meyer-Werft in Papenburg.

Genauso beurteilt das Sabine Schlüer, Personalreferentin der Mahr GmbH in Göttingen. „Wir haben mit Bachelorabsolventen keine Probleme“, stellt sie klar, weist aber wie Zimmermann darauf hin, dass die meisten von ihnen zuvor eine Berufsausbildung gemacht haben und von daher sehr gut auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereitet sind. Außerdem lobt sie die sieben oder acht Semester dauernden Studiengänge an der Jade Hochschule.

„Vor der Studienreform haben sich die Fachhochschulstudierenden durch ihre hohe Praxiserfahrung von den Uni-Absolventen unterschieden. Die Jade Hochschule hat dieses System beibehalten. Bei uns in Göttingen ist das nicht der Fall. Deshalb kann ich Bachelorstudierenden nur raten, sich während des Studiums ganz viel praktische Erfahrung anzueignen beziehungsweise vorher eine Ausbildung zu absolvieren.“

Dass an der Jade Hochschule weiterhin viel Wert auf Praxisbezug gelegt wird, bestätigt Prof. Dr. Andrea Czepek, Vizepräsidentin für Studium und Lehre: „Bei uns hat sich durch die Reform nicht viel verändert. Unsere Studiengänge waren und sind grundsätzlich sehr stark auf eine Berufsqualifizierung ausgerichtet. Deshalb können Bachelor-Absolventen einer Fachhochschule meist problemlos in einen Beruf einsteigen.“

Sowohl die Personalreferentin Schlüer als auch der Vermessungsingenieur Zimmermann warnen davor, Bachelorabsolventen über einen Kamm zu scheren oder den Abschluss schlecht zu reden. „Es lohnt sich, die Hochschule und ihre Lehrinhalte genau zu betrachten“, sagt Zimmermann.

Außerdem erinnert er an den Faktor Mensch. „Junge Leute, die etwas erreichen wollen, verantwortungsbewusst und aufgeschlossen sind, eine hohe Auffassungsgabe besitzen und wissen, was in der Arbeitswelt auf sie zukommt, sind natürlich ganz anders zu gebrauchen als jene, die wenig Engagement an den Tag legen.“