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Universitäten In Niedersachsen Der „Rekordhalter“ studiert seit 44 Jahren

Lars Laue Sandra Böhm

Oldenburg/Hannover - 50 Semester und mehr sind an den Hochschulen in Niedersachsen kein Einzelfall. Ein Student der Technischen Universität Braunschweig ist rekordverdächtige 88 Semester eingeschrieben. Insgesamt saßen nach einer neuen Studie des Statistischen Bundesamtes im Wintersemester 2015/2016 in den Hörsälen und Seminarräumen in Niedersachsen 70 570 Wissbegierige länger als es die Regelstudienzeit vorsieht – ob nun 2 oder mehr als 50 Semester.

Anteil stabil

An der Universität in Oldenburg gibt es 498 Studierende, die die Regelstudienzeit um mehr als sechs Semester überschritten haben. Der Anteil derjenigen, die Langzeitstudiengebühren zahlen müssen, liege an der Uni Oldenburg seit Jahren stabil bei 3,5 Prozent, teilte Sprecherin Deike Stolz auf Nachfrage der NWZ mit.

Den Semesterzahl-„Spitzenwert“ und um welchen Studiengang es sich dabei handelt, wollte die Uni aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mitteilen, da die Betreffenden ansonsten identifizierbar wären. Es ließen sich aber keine Auffälligkeiten feststellen in bestimmten Fakultäten/Studiengängen. Die Gründe für die Überschreitung der Semesteranzahl seien vielfältig und oftmals sehr persönlich (Krankheit, Pflege, Familie).

An vielen Unis des Landes sind Langzeitstudierende keine Ausnahme. Fast jeder 20. Student an der Georg-August-Universität Göttingen zählt dazu. Zwar ist diese Zahl in den vergangenen Wintersemestern gesunken, doch sind es immerhin 1510. „Längeren Studienzeiten liegen sehr häufig rationale Entscheidungen als Reaktion auf biografische Situationen zugrunde“, sagt der Universitätssprecher Romas Bielke. Dies könnten ein Nebenjob zur Finanzierung des Studiums, ein Kind oder die Pflege von Verwandten sein.

An der Leibniz Universität Hannover ist die Zahl der Dauerstudenten dagegen in den letzten zwei Jahren leicht gestiegen, was aber laut Pressesprecher auch an der höhren Studentenanzahl im vergangenen Semester liegt.

Ab wann zählt ein Student als Langzeitstudent? In Niedersachsen bekommt jeder Student ein „Guthaben“. Dieses umschließt die Semesteranzahl der Regelstudienzeit plus sechs weitere Semester. Hat jemand sein Guthaben verbraucht, gilt er als Langzeitstudent und muss entsprechende Gebühren zahlen – 500 Euro pro Semester. Ausnahmen sind, wenn zum Beispiel kleine Kinder betreut werden müssen oder sich der Student im Urlaubssemester befindet. Nur Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erheben ähnliche Langzeitgebühren.

Viele Beispiele

Beispiele gibt es viele: Im Diplom-Studiengang Elektrotechnik feilt ein Student im 65. Semester an der Hochschule Hannover an seinem Abschluss. Davon abgesehen existieren noch weitere hohe Semesteranzahlen mit 57, 58 und 59. Im Hochschulalltag würden die aber nicht weiter auffallen, falls sie noch gewissenhaft die Vorlesungen besuchten, sagen drei junge Studentinnen. „Wahrscheinlich halten wir sie auf dem Campus einfach für Dozenten.“

An der TU Braunschweig gibt es nach Angaben der Hochschule einen Spitzenreiter mit 88 Semestern. Das sind 44 Jahre. Davon abgesehen sind Dauerstudenten aber auch hier kein Massenphänomen, sondern mit ungefähr sechs bis sieben Prozent eher als kleine Gruppe zu betrachten. Dennoch gibt es ganze 154 Studierende, die noch in den alten Diplom- und Magisterstudiengängen studieren, oder zumindest immatrikuliert sind.

Viele Langzeitstudierende gibt es nach Erfahrungen des Dezernenten des Studienzentrums der TU Clausthal, Georg Ebertshäuser, in den sogenannten MINT-Fächern. Diese sind Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Vor allem im Fach Informatik werden Studieninhalte unterschätzt“, sagt Ebertshäuser. Folglich geschobene oder verpatzte Prüfungen führen zu einem längeren Studium.

Eine zwingende Beratung für Langzeitstudenten gibt es in Oldenburg laut Pressestelle nicht. Es gebe aber zahlreiche Angebote in den Fakultäten und im Studierendenservice, die Langzeitstudierende in Anspruch nehmen können (Studienberatung, Studienausstiegsberatung, Projekt Endspurt, Psychologische Beratung, Finanzierungsberatung vom Studentenwerk oder Sozialberatung).

Beratungsangebote

An der TU Clausthal gibt es seit Februar 2017 eine Beratungsstelle, die sich mit Langzeitstudenten befasst. Nach dem Hochschulgesetz muss ein Teil der Einnahmen durch die Langzeitstudiengebühren in die Prävention und Unterstützung der Dauerstudenten fließen. Aufgaben der beratenden Diplom-Psychologin seien die Identifikation der Langzeitstudierenden, das Herausfinden der Gründe und das Kontaktieren und Coachen der einzelnen Studenten, sagt Ebertshäuser. In Einzel- und Gruppencoachings sollen dann Themen wie Stressbewältigung und Selbstmotivation bearbeitet werden.

Hinsichtlich der späteren Jobsuche gibt es laut Kolja Briedis, Projektleiter für Bildungsverläufe und Beschäftigung am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, nur Probleme, wenn das Studium deutlich zu lange dauert. „Dann hat es auch Auswirkungen auf die Dauer der Stellenfindung, das Gehalt oder die Adäquanz der Beschäftigung.“

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