Bremen - „Deck schon mal den Tisch!“ – viele Anweisungen, die für den Menschen leicht umzusetzen sind, stellen Roboter vor enorme Herausforderungen. Um Tätigkeiten ausführen zu können, benötigen sie extrem detaillierte Informationen: Was soll auf den Tisch gestellt werden? Wie greift man am besten ein Glas? Und woran erkennt man überhaupt einen Tisch? Damit Roboter auch Anweisungen mit einem hohen Grad an Abstraktion selbstständig ausführen können, müssen sie in die Lage versetzt werden, fehlende Informationen selbst zu beschaffen.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt einen weiteren Sonderforschungsbereich (SFB) der Universität Bremen bewilligt, in dem Wissenschaftler mit ganz neuen Ansätzen daran arbeiten, dass Roboter abstrakte Anweisungen selbstständig umsetzen. Sie ermöglichen ihnen sozusagen das Lernen. Der SFB EASE (Everyday Activity Science and Engineering) startet am 1. Juli und wird in seiner ersten Förderphase von der DFG vier Jahre lang mit zehn Millionen Euro finanziert.
EASE wird im Rahmen der Grundlagenforschung untersuchen, wie es Menschen gelingt, ihre Alltagsaktivitäten äußerst flexibel, zuverlässig und effizient auszuführen. Dieses Verständnis soll dann eine neue Generation von Modellen für die Robotersteuerung inspirieren, um dort ein vergleichbares Niveau anzustreben. „Wenn Roboter lernen, umgangssprachliche Anweisungen richtig zu interpretieren, ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten für die Erhöhung der Lebensqualität – zum Beispiel für Menschen mit Behinderungen oder für Senioren, die länger selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben möchten“, erklärt der Sprecher des SFB, Professor Michael Beetz. In der Forschung sind ebenfalls vielfältige Einsatzmöglichkeiten denkbar, unter anderem die Durchführung von Experimenten mit Gefahrstoffen.
Demokratie in Robotik
Hohe gesellschaftliche Relevanz habe der SFB auch auf einer anderen Ebene, wie die Universität mitteilt: Er führt internationale Forscher zusammen und unterstützt die Idee des „Open Research“ – also die freie Verfügbarkeit der Forschungsergebnisse für alle Interessierten. So soll bewusst eine stärkere Demokratisierung der Robotik und der Künstlichen Intelligenz erreicht werden, damit die Entwicklung dieser Zukunftsfelder nicht allein von kommerziellen Interessen geprägt wird. Die Universität Bremen baut in Zusammenarbeit mit weiteren internationalen Universitäten bereits seit einigen Jahren das Fundament für intensive Kooperationen im Bereich Robotik auf.
Die Forschungen des SFB sind interdisziplinär: So sind nicht nur Informatiker und Mathematiker beteiligt, sondern auch Linguisten sowie Human- und Gesundheitswissenschaftler. Weitere externe Kooperationspartner sind der Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Uni Bielefeld (Professor Helge Ritter), das Institut für Robotik und Mechatronik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (Professor Alin Albu-Schäffer) und der Lehrstuhl für kognitive Systeme der Technischen Uni München (Professor Gordon Cheng).
„Haushaltsmarathon“
Am Ende der ersten Förderphase sollen die Roboter autonom einen „Haushaltsmarathon“ absolvieren können, der die Ausführung von Haushaltsaufgaben wie Tischdecken und die Zubereitung einfacher Mahlzeiten über längere Zeiträume umfasst.
