Gütersloh/Berlin (dpa/tmn) - Mitte Oktober heißt es für viele Erstsemester: Ab an die Hochschulen. Der Auszug von Zuhause und das Kennenlernen von Kommilitonen sind meist der Höhepunkt der ersten Wochen.

Doch gerade in Zeiten, in denen die Preise steigen und Studierende mit hohen Lebenshaltungskosten konfrontiert sind, stellt sich schnell die Frage: Wie finanziere ich eigentlich das Studium?

Neben Bafög bieten sich da Stipendien an, wovon es bundesweit über 2500 gibt. Zu den bekanntesten Programmen zählen die der 13 Begabtenförderungswerke. Sie sind politisch, religiös, gewerkschafts- oder unternehmensnah geprägt, die Rahmenbedingungen zur Förderung sind vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vorgegeben. Auch das Deutschlandstipendium, das von den Hochschulen vergeben wird, ist verbreitet.

Aber es werden auch viele zeit- und zweckgebundene Stipendien für Auslandsaufenthalte oder Abschlussarbeiten angeboten. Eine ausführliche Recherche kann sich also lohnen.

Informieren, aber wo?

Erste Informationen zum Überblick können Interessierte zum Beispiel auf der Seite mystipendium.de oder auf elternkompass.info der Stiftung der Deutschen Wirtschaft finden. Dort kann etwa der «Stipendium-O-Mat» erste Orientierung zu passenden Stipendien verschaffen. Ebenso bietet Elternkompass individuelle Beratungsgespräche an: Anhand des persönlichen Werdegangs empfehlen die Beraterinnen und Berater Stipendien und geben Tipps zur Bewerbung.

Eine Aufnahme in Stipendienprogramme ist grundsätzlich auch während des Studiums möglich. Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) empfiehlt aber eine frühe Bewerbung: «Je früher ich ein Stipendium habe, desto länger kann ich gefördert werden.» Bei vielen Programmen ist es Voraussetzung, dass Geförderte noch mindestens vier Regelsemester studieren. Die Bewerbungsfrist ist teilweise nur zweimal im Jahr.

Nicht nur die Noten zählen

Für die Bewerbung erwarten Stipendiengeber häufig ein Motivationsschreiben, Nachweise von gesellschaftlichem Engagement und Gutachten zur Person. Eine Checkliste mit notwendigen Dokumenten kann einen Überblick verschaffen.

Typische Fehler bestehen darin, nicht Korrektur lesen zu lassen oder nach den notwendigen Dokumenten zu schauen, sagt Christina Lehmann von Elternkompass. Auch auf Bewerbungsgespräche kann man sich gut vorbereiten. «Authentisch bleiben, ehrlich und locker sein», rät Ulrich Hawel von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Neben den Noten kommt es vor allem auf die Gesamtperson an. «Generell versuchen wir, gegen Stipendienmythen anzukämpfen und die Angst vor der Bewerbung zu nehmen», sagt Lehmann. Insbesondere biografische Hindernisse wie Migrationshintergrund, ein nicht-akademischer Hintergrund, Fluchtzusammenhang oder chronische Krankheiten können einen Ausgleich zu Noten darstellen. «Das sind Ausbremsungsfaktoren, die wir versuchen, sozial auszugleichen», wie Ulrich Hawel sagt.

Engagement ganz breit gefasst

Wer nun gleich abwinkt, weil Nachweise für gesellschaftliches Engagement fehlen, sollte sich nicht entmutigen lassen. Oft zählen auch Aktivitäten, an die man im ersten Moment gar nicht denkt. Die Pflege von Familienangehörigen oder private Lesekreise etwa sind ein Zeichen für gesellschaftliche Verantwortungsübernahme: «Da nicht zu demütig sein, sich nicht klein denken», rät Müller. Und auch Lehmann sagt: «Solche vermeintlich alltäglichen Dinge sind immens wichtig für das eigene Engagement.»

Bei der Entscheidung für oder wider ein bestimmtes Stipendium sollten sich Interessierte dann Fragen stellen wie: Kann ich mich in der Stiftung wohlfühlen? Stimmen die vertretenen Werte mit den eigenen überein? Und wie möchte ich mich in der Stiftung einbringen? Auf solche Punkte sollte im Bewerbungsschreiben eingegangen werden. «Man sollte genau wissen, mit welcher Stiftung man es zu tun hat», sagt Hawel.

Eine Bewerbung muss nicht immer mit sehr großem Aufwand verbunden sein. Bei kleineren Programmen reicht häufig schon eine schriftliche Bewerbung, und man hat gute Chancen auf eine Aufnahme. «Manchmal ist es sehr unkompliziert oder kurzfristig machbar», sagt Müller. Oft lohnt es sich, sich parallel zum Bafög-Antrag auf Stipendien zu bewerben. Meist werden ohnehin ähnliche Dokumente gefordert.

Wie viel Geld gibt's beim Stipendium?

Wie viel Geld nach einer erfolgreichen Aufnahme am Ende auf dem Konto landet, ist unterschiedlich. Während kleinere Stiftungen einen Zuschuss zur Lebenshaltung finanzieren, bemisst sich die Höhe bei den Begabtenförderungswerken in der Regel am Bafög-Satz. Wer den Förderhöchstsatz erhält, hat keinen Bafög-Anspruch.

«Der Riesenvorteil ist, Stipendien sind hundertprozentig geschenktes Geld», sagt Müller. Die Förderung muss im Gegensatz zu Bafög nicht zurückgezahlt werden. Eine Förderung in Höhe von 300 Euro ist anrechnungsfrei. Dazu kommt häufig eine ideelle Förderung in Form von Workshops, Seminaren und dem Aufbau eines beruflichen Netzwerkes.

Auch wer kein Abitur hat, kann sich für Stipendien bewerben. «Beruflich Qualifizierte kommen meistens nicht auf die Idee, dass ein Stipendium möglich wäre», sagt Andreas van Nahl der Stiftung Berufliche Bildung (SBB). Das Aufstiegsstipendium etwa fördert Berufserfahrene nach abgeschlossener Ausbildung für ein Erststudium. Mit dem Weiterbildungsstipendium der SBB können Weiterbildungen oder Hilfsmittel finanziert werden.

Am Ende kann sogar eine erfolglose Bewerbung Vorteile haben. Schließlich lernt man, Bewerbungsgespräche zu führen: «Wer das einmal gemacht hat, ist beim zweiten Mal ruhiger», sagt Müller.

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