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Bildung Studieren im virtuellen Hörsaal

Birk Grüling

New York - Um eine Vorlesung an der Uni zu besuchen, muss heute niemand mehr die heimische Couch verlassen. Ein paar Mausklicks reichen aus, um im Netz an einer Lehrveranstaltung teilzunehmen. Immer mehr amerikanische Hochschulen stellen Online-Seminare gratis ins Internet. Von Mathe bis zu Philosophie ist für fast jeden etwas dabei. Das Tolle daran: Die sogenannten Massive Open Online Courses (kurz: Mooc) sind kostenlos – und zugänglich für jedermann. Auch von deutschen Hochschulen gibt es inzwischen erste Angebote.

Rund 400 verschiedene Moocs finden Surfer allein auf der E-Learning-Plattform Coursera der Stanford University. Die meisten sind auf Englisch. Doch mit der „Einführung in Computer Vision“ startete im Sommer auch eine erste Lehrveranstaltung auf Deutsch. Die Technische Universität München und die Ludwig-Maximilians-Universität München sind seit Neuestem auf Coursera vertreten.

Ganz neu sind Online-Vorlesungen zwar nicht. Auch bisher gab es bereits Professoren, die ihre Lehrveranstaltungen an der Uni abfilmten und ins Netz stellten. Neu an den Moocs ist, dass sie speziell fürs Netz kreierte Lehrveranstaltungen sind – mit kurzen Videos, anschließenden Tests und Diskussionsforen.

Kurze Sequenzen

Dabei ähneln sie Vorlesungen an der Uni. Sie beginnen an einem bestimmten Datum, es gibt Hausaufgaben und sogar Abgabetermine. Unterschiede zur realen Uni gebe es vor allem in der Präsentation der Inhalte, erklärt Christopher Buschow vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover. Im Netz sind eher kürzere Lerneinheiten von zehn bis fünfzehn Minuten attraktiv. Anderthalb Stunden lange Vorlesungen hält vor dem Rechner kaum jemand durch.

Ort und Zeit kann sich jeder Teilnehmer bei den Mooc frei einteilen. Der Aufwand ähnelt dabei normalen Unikursen. Durchschnittlich drei bis vier Wochenstunden veranschlagt Coursera als Arbeitsaufwand für einen Mooc. Teilweise ist es inzwischen auch möglich, kostenpflichtige Abschlussprüfungen mit Zertifikat zu machen. Einige US-Universitäten erkennen diese Scheine bereits an und haben sogar einzelne Webkurse in die Studienordnungen aufgenommen.

In Deutschland steht man dagegen noch am Anfang der Entwicklung. Bisher gibt es nur vereinzelte Experimente mit Moocs. Der erste Onlinekurs an der Uni Hildesheim startete vor knapp einem Jahr und trug den Titel „Datenschutz bei Facebook & Co“.

Insgesamt haben sich für den dreiwöchigen Kurs über 600 Nutzer aus verschiedenen Ländern angemeldet, rund 200 von ihnen haben sich in den Diskussionsforen aktiv beteiligt und regelmäßig die Materialien heruntergeladen. 50 Teilnehmer bekamen am Ende ein Abschlusszertifikat. „Unsere Erfahrungen waren positiv, langfristig werden wir weitere Mooc anbieten“, so Joachim Griesbaum, Professor für Informationswissenschaft.

Die offene Massenlehre bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich. „Die Dozenten müssen sich stärker Gedanken, um die Attraktivität der Inhalte und ihrer Vermittlung machen“, sagt Buschow. Während Professoren früher eine Grundlagenvorlesung 20 Jahre fast ohne Qualitätskontrolle halten konnten, ist das bei einem Mooc kaum möglich. Hier gibt es schnell Feedback im Netz.

Austausch nur virtuell

Gleichzeitig gibt es auch klare Nachteile gegenüber der Präsenzlehre. Der direkte Austausch vor und nach einer Veranstaltung findet rein virtuell statt. Auch Hausarbeiten sind wegen der Masse der Teilnehmer kaum möglich. Für Buschow liegt die Perspektive deshalb in einer Parallelexistenz: „Mooc werden die Präsenzlehre nicht überflüssig machen.“

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