Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?
BackhausDafür hat das Bafög ausgereicht. Nur größere Anschaffungen oder ab und zu mal den Semesterbeitrag haben meinen Eltern übernommen.
Das ist erstaunlich, zumal eine vom Deutschen Studentenwerk in Auftrag gegebene Studie besagt, dass das Bafög nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt damit zu bestreiten. So sind laut Bafög-Satz gerade mal 250 Euro für Miete vorgesehen.
Backhaus(lacht) Dann bin ich wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Ich bekomme den Bafög-Höchstsatz und habe mich gleich zu Beginn des Studiums für einen Wohnheimplatz in einer WG beworben. Das hat auch sofort geklappt. Für das WG-Zimmer im Wohnheim hat der Bafög-Satz für die Miete gereicht.
War die WG eine Notlösung?
BackhausNein. Ich bin mit Geschwistern aufgewachsen. Deshalb bin ich es gewohnt, dass immer was los ist. Die Dreier-WG war genau richtig. Nicht mal mit dem Bad gab es Stress. Es ist in den Jahren vielleicht zweimal passiert, dass es besetzt war, als ich rein musste.
Hatten Sie Probleme beim Stellen des Bafög-Antrags.
Backhaus(lacht) Nein, mein Vater arbeitet beim Bafög-Amt. Er brachte den Antrag mit und hat mir beim Ausfüllen geholfen. Aber von Mitstudenten weiß ich, dass es schon mal Probleme gibt, zum Beispiel wenn fehlende Unterlagen nachgereicht werden müssen. Oder wenn sie im September/Oktober den Antrag eingereicht haben und das Geld erst im November oder Dezember kommt. Dann erhält man zwar auch das Geld für die vorangegangenen Monate, aber die Zeit bis dahin muss irgendwie überbrückt werden.
Wie lässt sich dieses Problem Ihrer Erfahrung nach am besten vermeiden?
BackhausBei Wiederholungsanträgen sollte man die Unterlagen möglichst bald einreichen, nachdem man die Aufforderung dazu bekommen hat. Dann kommen auch die Zahlungen früher.
Wie sieht es aus, wenn man Hilfe beim Stellen des Bafög-Antrags braucht? Haben Ihnen Freunde darüber etwas erzählt?
BackhausEine Freundin von mir war ziemlich lange krank. Sie hat einen sehr netten Berater beim Bafög-Amt, den sie immer fragen kann und der ihr Mut macht, dass es mit dem Bafög schon klappt.
Hätten Sie auch studiert, wenn es kein Bafög geben würde?
BackhausJa, aber dann hätte ich mein Studium wahrscheinlich nicht in der Regelstudienzeit geschafft. Dann wäre es mir wohl so gegangen, wie manchen Mitstudenten, die nebenher arbeiten müssen. Sie studieren zum Beispiel länger, weil sie ein Seminar in einem Semester nicht besuchen können, weil sie zu der Zeit jobben und der Dozent aber verlangt, dass sie anwesend sind.
Haben Sie Bedenken wegen der Rückzahlung des Geldes?
BackhausDas wird schon klappen, wenn ich eine Arbeitsstelle habe. Schließlich muss ich nur die Hälfte beziehungsweise maximal 10000 Euro zurückzahlen – in 20 Jahren. Außerdem wäre es ja komisch, wenn ich gar nichts zurückzahlen müsste – auch denen gegenüber, die nicht studieren.
Würden Sie Freunden empfehlen, Bafög zu beantragen, auch wenn diese nicht wissen, ob sie überhaupt etwas bekommen?
BackhausJa, versuchen sollte man es immer. Zumal man sich beim Studentenwerk Oldenburg vorab ausrechnen lassen kann, ob man Anspruch auf Bafög hat. Dafür muss man nur den Einkommensteuerbescheid der Eltern vorlegen.
Bei einer Freundin von mir war es so. Sie studiert Medizin – nicht in Oldenburg – und hat einen Antrag gestellt, obwohl sie nicht wusste, ob sie Bafög-berechtigt ist. Sie bekommt auch nicht den Höchstsatz, aber genug, um damit fast die Miete zu bezahlen. Außerdem jobbt sie noch und hat einen Studienkredit aufgenommen, aber den muss sie vollständig zurückzahlen. Sie ist sehr froh darüber, dass sie sich dank des Bafög wegen der Miete keine Gedanken machen muss.
