STUTTGART - Der moderne Student lernt nicht mehr BWL. Er studiert „International Business Management“. Was der Unterschied ist? Im besten Fall keiner. Im schlimmsten Fall entpuppt sich das Fach als etwas ganz anderes, als die Studierenden erwartet hatten. Und dann kann noch hinzukommen, dass andere Hochschulen sich beim Anerkennen der Leistungen querstellen. Denn bei ihnen heißt das Fach „Global Management“. Was natürlich etwas völlig anderes ist. Experten sind sich vor diesem Hintergrund weitgehend einig: Die Studienwahl ist in Bachelorzeiten komplizierter geworden.
Namen sind „Blendwerk“
Für Katja von Berg sind die neuen Anglizismen in Fächernamen ein Kreuz. „Blendwerk“ nennt die Studienberaterin von der Uni Stuttgart Begriffe wie „International“ oder „Management“, mit denen sich heute etliche Studiengänge schmücken. „Keiner will mehr BWL machen – heute wollen alle Eventmanagement studieren. Dass es im Prinzip das Gleiche ist, ist vielen nicht klar“, sagt sie. Ihre Kollegin Jeannette von Wolff sieht das ähnlich: Englische Namen hätten „einfach mehr Sex-Appeal“, hat die Studienberaterin beobachtet. Die Schattenseite: Ein Fach wie „International Management“ klingt reizvoll, „aber man kann sich nichts drunter vorstellen“.
Schulabgänger sollten sich nicht von den neumodischen Namen täuschen lassen: „Manches ist nur alter Wein in neuen Schläuchen“, sagt von Wolff. Studienbewerber müssten sich also genau anschauen, was auf dem Lehrplan steht, um zu verstehen, was sich hinter einem Fachnamen verbirgt. Ratsam sei auch, etwa Studenten oder Vertreter der Fachschaft zu fragen.
Denn Reizwörter können schnell in die Irre führen, wie die Studienberaterin Katja Störkel-Hampe von der Uni Duisburg-Essen beobachtet hat. „Viele wollen ja ,irgendwas mit Medien machen.“ Das verschaffe einem Studiengang an der Uni namens „Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften“ großes Interesse. „Dabei hat das zum größten Teil mit Informatik zu tun.“
Unklare Fächernamen sind aber nur ein Problem, das die Bachelorreform mit sich gebracht hat. Sie stellt Schulabgänger auch dadurch vor neue Entscheidungen, dass es immer mehr Spezial- und Schnittstellenfächer gibt. Ein Ingenieurdiplom im Maschinenbau galt früher als Visitenkarte. Und ein Bachelor in „Environmental Engineering“, also im Umweltingenieurwesen? Das ist die Frage.
Auch traditionelle Fächer wie Biologie splittern sich immer mehr auf: In Bremen etwa spezialisieren sich Studierende auf den Bereich „Biochemistry and Cell Biology“. Und das bereits zum Einstieg im Bachelor. Andere Fachbereiche gehen zusammen: Aus BWL und Informatik wird Wirtschaftsinformatik. Dabei sei die Frage, wie die Aufteilung im neuen Fach ist. „Das kann halbe-halbe heißen, aber auch 80 zu 20“, sagt Katja von Berg. Die Unterschiede liegen wieder mal im Detail.
Nischenfächer als Chance
Nischenfächer bieten aber auch eine Chance – für jene, die sich mit den klassischen Disziplinen nicht so recht anfreunden können. Jeannette von Wolff kennt solche Beispiele: „Einige wollen zum Beispiel nicht Sozialpädagogik studieren. Sie arbeiten aber gerne mit kleinen Kindern und sagen dann: „Elementarpädagogik, das ist genau mein Ding.“
