Bremen - Eine neue Generation von Suchmaschinen fürs Internet soll es zum Beispiel Ärzten ermöglichen, Millionen von Fachartikeln nach Krankheitsbildern und Therapien zu scannen. Sie könnten auch Politikwissenschaftlern helfen, kontroverse Online-Diskussionen etwa über das Handelsabkommen TTIP oder die Schließung der Balkanroute für Flüchtlinge zu analysieren. Diese sei von vielen Menschen als Mittel der Wahl benannt worden. Die neuen Argumentationsmaschinen würden nicht nur aufspüren, wie viel Zuspruch diese „Lösung“ erhalten hat, sondern auch, welche Gegenargumente aufgeführt werden.

Bislang sind solche Diskussionen kaum zu erfassen, da sie über Jahre laufen und die Anzahl der Beiträge in die Millionen geht. „Suchmaschinen für Argumente“ könnten dies ändern. Diese sollen in einem neuen Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) entwickelt werden. Die Jacobs University in Bremen ist maßgeblich daran beteiligt.

Dr. Michael Kohlhase, Professor für Informatik an der Jacobs University, vertritt im Programm den Bereich Wissensrepräsentation und Logik. „Wenn wir Argumente mithilfe von Suchmaschinen sinnvoll auswerten wollen, dann müssen Suchmaschinen deutlich mehr können als bislang“, sagt er. „Sie müssen Informationen nicht nur miteinander verknüpfen können, sondern zum Beispiel auch bewerten können, ob die genannten Behauptungen mit anderen Zahlen und Fakten übereinstimmen. Nur wenn die Fülle an Beiträgen im Netz maschinell gesichtet und bewertet werden kann, lassen sich hier kostengünstige Mehrwertdienste anbieten, die Nutzern im täglichen Leben helfen“, so Kohlhase.

Geschickt programmierte Erweiterungen von Suchmaschinen könnten hier schnell Argumente sammeln und Stimmungsbilder erfassen. „Das ist ein sehr spannendes Projekt, bei dem wir viel Wissen aus unterschiedlichen Teildisziplinen der Informatik zusammentragen müssen“, sagt er.

Bundesweit arbeiten Wissenschaftler ab 2017 an „Suchmaschinen für Argumente“. Das Programm mit dem Namen „Ratio“ (Robust Argumentation Machines – Adaptive, Skalierbare und Fehlertolerante Argumentationsmaschinen) wird von der Universität Bielefeld geleitet. Beteiligt sind die Jacobs University Bremen, die Universität Duisburg-Essen, die Universität Leipzig und die Bauhaus-Universität Weimar.