Oldenburg - Bildung wird in der Schule und zunehmend auch in Kindergärten immer mehr auf Ausbildung reduziert. Bildung im Sinne von Persönlichkeitsentwicklung erleben Kinder in diesen Institutionen immer seltener. Das sagen Hans-Joachim Müller, Leiter des Zentrums Kinderphilosophie in Bad Zwischenahn und pensionierter Grundschullehrer, und apl. Prof. Dr. Reinhard Schulz vom Institut für Philosophie der Universität Oldenburg.
Mit Kindern philosophieren, um sie in ihrer Entwicklung zu fördern, war das Thema einer Tagung an der Uni Oldenburg. Unter dem Titel „Die Bildungswelten der Dinge – Denklabore des Philosophierens? “ setzten sich Erzieher, Lehrer sowie Interessierte aus pädagogischen Einrichtungen mit den Zusammenhängen zwischen Tun und Begriffsbildung sowie zwischen Ding und Sprache auseinander.
Höhepunkt der Tagung mit Ausstellungsbesuch, Experten-Podiumsgespräch und Workshops war das Podiumsgespräch, bei dem Kinder über „Dinge“ philosophierten. „Die Frage, ob alle Dinge ihr eigenes Sein hätten, und wie dieses erkennbar sei, beherrschte einen wesentlichen Teil des Podiumsgespräches. Dabei vertrat ein Kind am Beispiel eines hufeisenförmigen Magneten die ungewöhnliche Auffassung, dass dieses Ding über ein zweifaches Sein verfüge: Seine elektromagnetische Kraft sowie seine metallene Form“, berichtet Müller.
Das Podium mit den Kindern sei für viele Teilnehmer ein Aha-Erlebnis gewesen, durch das die einzelnen Elemente der Tagung aufeinander bezogen werden konnten, so Müller. „Viele von ihnen bekundeten, dass sie dem Philosophieren mit Kindern in der eigenen Berufspraxis jetzt mehr Aufmerksamkeit schenken werden.“
