WILHELMSHAVEN - Katrin Struckmeyer betrachtet eine Keramikscherbe unter dem Mikroskop. Für die meisten Menschen wäre es einfach nur ein alter, vielleicht etwas merkwürdig geformter Stein. Sie würden ihm nur wenig Beachtung schenken, läge er im Garten oder auf dem Acker. Diese Scherbe jedoch war vor 5000 Jahren Teil eines Gefäßes – von Menschenhand hergestellt und in Gebrauch. Struckmeyer untersucht am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK) in Wilhelmshaven diese Relikte. Und: Sie erzählen ihr viel über unsere Vergangenheit.
Seit 2007 arbeitet die 32-Jährige am Institut in Wilhelmshaven an ihrer Doktorarbeit, die sie vor kurzem erfolgreich abgeschlossen hat. Zuvor studierte die in Pinneberg/Schleswig-Holstein geborene Struckmeyer in Hamburg Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie. „Ich finde es spannend, zu rekonstruieren, wie die Menschen vor einigen tausend Jahren gelebt haben“, erklärt Struckmeyer ihr Faible für die Archäologie.
„Es ist erstaunlich, was man anhand von so wenigen Funden noch alles über die Vergangenheit lernen kann.“ In Hamburg kam auch der Kontakt zu Prof. Dr. W. Haio Zimmermann zustande, der das Wilhelmshavener Institut bis 2006 leitete. Dieser lehrt mittlerweile an der Universität in Hamburg und vermittelte Struckmeyer ein Stipendium am NIhK.
Vier Jahre harter Forschungsarbeit liegen hinter der Wissenschaftlerin. Alltagsgegenstände aus Knochen und Geweihen bildeten die Schwerpunkte ihrer Dissertation. „Anders als bei Steinwerkzeugen wurde dieses Material bislang selten mikroskopisch untersucht“, berichtet Struckmeyer über ihre Arbeit. Während die Funktionsweise von Gabeln und Kämmen noch relativ leicht zu entschlüsseln ist, geben andere Funde ihre Geheimnisse nicht so leicht Preis. Wofür manch ein Werkzeug früher in Gebrauch war, muss ab und zu auch mit purer Experimentierfreude erarbeitet werden.
„Doktor“ darf sich Katrin Struckmeyer noch nicht auf die Visitenkarte schreiben. Fachlich hat sie jedoch schon alle Voraussetzungen erfüllt. Allerdings muss ihre Doktorarbeit noch veröffentlicht werden. Erst dann darf sie den Titel offiziell führen.
Bislang blieb für Katrin Struckmeyer neben ihrer Forschungsarbeit nur wenig Zeit für andere Dinge. Wenn es sich doch mal einrichten lässt, spaziert sie gerne in den Abendstunden am Strand oder im Watt, etwa in Schillig. „Das hilft mir, den Kopf frei zu bekommen und mal abzuschalten“, so Struckmeyer. Auch ihre Familie in Pinneberg besucht sie an Wochenenden oder an freien Tagen gerne.
Die Natur ist es dann auch, die der Forscherin, die mitten in der Innenstadt wohnt, am Besten an der Küstenregion gefällt. Doch auch das relativ kleine Institut in der Viktoriastraße hat sie lieb gewonnen. „Hier herrscht eine richtig familiäre Atmosphäre und ich kann mich mit vielen weiteren Doktoranden austauschen“, sagt Struckmeyer.
