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Dreharbeiten Reichlich Arbeit für einen 99-Sekunden-Streifen

sg

WILHELMSHAVEN - Donnerstag im Stadtpark: Hinter hohen Bäumen spielen sich drama­tische Szenen ab. Blätter rascheln, das Knacken morscher Äste ist zu hören. „Ich kann nicht mehr weiterlaufen“, schreit eine Frau, völlig außer Atem. Julia Stöpel und Nadine Leopold-Zaddam sind auf der Flucht, hasten durch das Geäst. Der Lippenstift ist verschmiert und die Haare sind zerzaust.

Die Flucht ist nur gespielt – Stöpel und Leopold-Zaddam sind Schauspielerinnen aus Berlin. Eilig haben es die jungen Frauen aber tatsächlich. Sie stehen vor der Kamera für einen Kurzfilm, der bereits am Abend im Kasten sein muss. Mit dem Ergebnis will sich die Wilhelmshavener Produktionsfirma „Puzzle Pictures“ am Wettbewerb „99-Fire-Films-Award“ der „Berlinale“ beteiligen. Im vergangenen Jahr landete einer ihrer Kurzfilme schon unter den 20 besten Beiträgen.

Nur 99 Stunden Zeit

Abgabetermin für den Wettbewerb ist schon am Sonnabend, 12 Uhr. „Wir haben 99 Stunden Zeit – von der Konzeptentwicklung bis zum endgültigen Schnitt“, erklärt der Wilhelmshavener Student Dennis Briddigkeit. Er gehört zum Team, das die Filmemacher Christopher Groß und Andree Betten von „Puzzle Pictures“ bei den Dreharbeiten unterstützt.

Groß übernimmt an diesem Tag Kamera und Regie. Betten kümmert sich um den Ton. Ein ausgearbeitetes Drehbuch gibt es nicht, dafür war keine Zeit. Dafür haben alle ein Konzept und die Szenenbilder schon im Kopf. Für den Kurzfilm gibt es einige Vorgaben: Er muss ­exakt 99 Sekunden lang sein und sich mit dem Thema „Put a smile on your face“ beschäftigen. Frei übersetzt: „Zaubere ein Lächeln in dein Gesicht.“ Und zudem muss die Zahl 500 im Film auftauchen.

Bei eisigen Temperaturen fällt das Lächeln im Stadtpark aber schwer. Die beiden Schauspielerinnen aus Berlin tragen es mit Fassung. Sie kennen die Wilhelmshavener Filmer persönlich und engagieren sich gerne für das Projekt der ehemaligen Studenten der Jade Hochschule.

Julia Stöpel hat in Fernsehfilmen mitgewirkt und unter anderem als Synchronsprecherin „Hello Kitty“ ihre Stimme geliehen. Nadine Leopold-Zaddam ist ebenfalls erfolgreiche Sprecherin, hat unter anderem Rollen in den Serien „CSI Miami“ und „Vampire Diaries“ synchronisiert.

Zweiter Kurzfilm

Einen Tag zuvor hat das Team bereits im Fahrstuhl eines Seniorenheims gedreht. Da war es wesentlich wärmer, aber weniger stressig. Das Material ist für einen weiteren Kurzfilm gedacht: Zwei Frauen begegnen sich im Fahrstuhl. Beide wollen zu einem Vorstellungsgespräch und stellen fest, dass sie sich um dieselbe Stelle beworben haben. „Es kommt zum Streit“, erzählt Dennis Briddigkeit. Mehr will er nicht verraten. Beide Kurzfilme sollen ein überraschendes Ende haben – das zeichne gute Kurzfilme aus.

Die Filmemacher müssen eine Jury überzeugen. Zudem wird es im Internet eine Abstimmung geben. Die Konkurrenz ist groß: Bis zu 2000 Mitbewerber wollen den Award gewinnen. Auf den Erstplatzierten warten 9999€ Euro.

Zunächst wartet aber auf die Wilhelmshavener Filmemacher eine Nachtschicht: „Dann geht es an den Schnitt“, sagt Briddigkeit, als im Hintergrund die Schauspielerinnen erneut durch das Geäst springen.

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