WILHELMSHAVEN - Anstoßen mit Sekt und Orangensaft – auf gute Zusammenarbeit. Das Thema Kooperation zwischen den Krankenhäusern der Region beherrschte den Neujahrsempfang, zu dem die Bezirksstellen Wilhelmshaven der Ärztekammer Niedersachsen und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) am Sonntag eingeladen hatte.
Dass die Stadt Wilhelmshaven und der Landkreis Friesland zurzeit Konzepte für ein engeres Miteinander zwischen Reinhard-Nieter-Krankenhaus und Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch erarbeiten und Kooperationsgespräche mit allen Krankenhäusern in der Region vertiefen wollen, wurde von den Ärzten ausdrücklich begrüßt. „Ein Patient aus Roffhausen kann heute in einem Umkreis von 25 Kilometern auf fünf Krankenhäuser zurückgreifen“, sagte Andreas Klose, Sprecher des Bezirksausschusses der KV in Wilhelmshaven. Eine Zusammenarbeit und gemeinsame Versorgungsstrategie sei deshalb dringend erforderlich. „Sonst handeln schon bald andere für uns.“
Wilhelmshavens Bürgermeister Holger Barkowsky hob in seinen Grußworten ebenfalls hervor, wie wichtig der gemeinsame Weg ist. Ziel sei, Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher Hand zu erhalten und eine flächendeckende Versorgung der Region sicherzustellen.
Dieser Weg sei notwendig und richtig, aber nicht einfach, betonte Frieslands Landrat Sven Ambrosy: „Da geht es um Geld und um Macht. Es wird mit Sicherheit hier und da auch zu Streit kommen. Das ist aber nichts Schlimmes.“ Das Nordwest-Krankenhaus sei sehr gut aufgestellt, so Ambrosy. „Wir bringen also ein starkes Pfund in die Kooperation – und das nicht aus finanzieller Not heraus.“
Ein weiteres Thema war der drohende Ärztemangel. „Dieses Problem haben wir nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt. Jedes Krankenhaus kann ein Lied davon singen“, sagte Jens Wagenknecht, Vorstandsvorsitzender der Bezirksstelle Wilhelmshaven. Der medizinische Nachwuchs müsse noch stärker gefördert und an die Region gebunden werden.
Andreas Klose machte das ebenfalls deutlich: In den nächsten acht Jahren werden bundesweit 24 000 Hausärzte in den Ruhestand gehen.“ Aktuell stehe in der Region die Neubesetzung von zwei Hausarztpraxen an. Und für zwei Facharztpraxen seien bis heute keine Nachfolger gefunden. „Wir müssen die Hausarzttätigkeit wieder schmackhaft machen“, sagte Klose. Dazu gehöre auch der Bürokratieabbau. Klose bezeichnete die Praxisgebühr als bürokratischen Unsinn: „Die Praxisgebühr muss weg.“ Der durchschnittliche Verwaltungsaufwand in den Praxen sei zu hoch – und koste viel Geld.
Noch mehr Verwaltungsaufwand befürchten manche durch das geplante Patientenrechtsgesetz, auf das Detlef Kasig, Bezirksgeschäftsführer der Krankenkasse Barmer GEK Wilhelmshaven, einging. Das Gesetz soll die Rechte der Patienten – zum Beispiel bei Behandlungsfehlern – stärken.
In einem Gastvortrag stellte dann Prof. Eckhardt Hahn als Gründungsdekan der neuen European Medical School Oldenburg-Groningen den Modellstudiengang vor, im Oktober 2012 beginnt der Studienbetrieb. Die Hoffnung: Neue Ärzte, die der Region nach dem Studium als hoch qualifizierte Mediziner erhalten bleiben.
