WILHELMSHAVEN/FRIESLAND - WILHELMSHAVEN/FRIESLAND/ML - Sie kommen aus Wilhelmshaven und der weiteren Umgebung. Zumeist bringen sie ihre Oldtimer mit ein, und sie haben alle ein gemeinsames Ziel: Die Erhaltung von alten Autos, Lastwagen, Eisenbahnen, Schiffen, Maschinen und Fluggeräten.
Besonders interessant sind diese Exponate dann, wenn sie auch noch aus der Stadt oder dem Umland stammen oder dort eingesetzt waren. Es sind die 51 Mitglieder der 2005 gegründeten Interessengemeinschaft zur Erhaltung historischer Fahrzeuge Wilhelmshaven.
60 Fahrzeuge haben sie bei ihrem Beitritt mit eingebracht. Sie stehen in einer 3000 Quadratmeter großen ehemaligen Rottmann-Halle am Kanalweg 14, die zuletzt ein Spanplattenwerk beherbergte. 16 000 Quadratmeter Grund hat der Verein für seine Zwecke auf Erbpacht von der Stadt erhalten, und die 90 Meter lange Halle wurde in aufwendiger Eigenarbeit und ohne jeden Zuschuss schon fast vollständig neu eingedeckt.
Vier Rolls Royce-Einzelstücke, fünf oder gar sechs alte Maybachs, Omnibusse, Lokomotiven, Triebwagen, Feuerwehren, Bulldogs aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren sind es, um nur einige zu nennen, die heute längst Liebhaberwert haben und gepflegt werden, als müsse man sie morgen wieder aktiv einsetzen.
„Es sind alles Idealisten, die sich diesem Hobby verschrieben haben“, sagt Willi Mundt, ehemaliger Mariner und Vorsitzender des Vereins. Mit zehn eigenen Oldtimern ist er besonders stark vertreten. „Da ist der Oldenburger Professor an der Fachhochschule, der sich seit vielen Jahren mit alten Eisenbahnen befasst, mehrere Triebwagen, die in den 20er-Jahren in Butjadingen fuhren, einzeln bis zur französisch/belgischen Grenze aufspürte und nun in Wilhelmshaven stehen hat. Eine Rangierlok der Museumsbahn bei Bruchhausen-Vilsen gehört auch dazu. Sie stehen jetzt auf einem ehemaligen Rottmann-Gleis in einer zweiten Halle“, erzählt Mundt.
„Da ist aber auch der 18-jährige Bestatter-Lehrling, der als ,Mitgift’ einen 17 Meter langen „Neoplan“-Omnibuszug der Stadtwerke Wilhelmshaven, den er im Ostfriesischen untergestellt hatte, mitbrachte. Oder der 85-jährige Kradfahrer mit Beiwagen, im dem seine Partnerin saß!“, berichtet er.
Die meisten Mitglieder sind selbst Oldtimer, „denn wer mit 62 Jahren nach Hause geht, hat sein Wissen und seine Berufserfahrung noch lange parat!“ Alte und junge Mitglieder, Karosseriebaumeister, Fahrzeugschlosser und andere „brauchbare“ Fachkräfte führt der Verein zusammen. Solche Leute und junge ab 14 Jahre sind herzlich willkommen.
Recht außergewöhnlich und sehenswert sind die eingelagerten Ausstellungsstücke. Da sind die Maybach-Limousine eines pensionierten Oldenburger Arztes zu finden, die Magirus-Deutz-Feuerwehr mit 26 Meter hoher Drehleiter aus Heeresbeständen der deutschen Wehrmacht.
Da ist das Schaummitteltankfahrzeug der Nordwest-Oelleitung aus 1958 von einem Delmenhorster Sammler, ein Magirus-Krauss-Autokran, das schwerste von dieser Firma je gebaute Einzelstück für die amerikanische Armee, und ganz nebenbei ein Sibo-1,5-t-Betonmischer aus 1959, der bei der Schließung der 1. Einfahrt eingesetzt war.
Paradestück ist eine Holz-Drehleiter der Feuerwehr aus 1908. „Manche sind schweineteuer. Wir möchten einen Bahnhof bauen, wie er 1950 aussah. Wir suchen auch nach Feuerwehrleuten, die sich mit Saugpumpen und Schaumlöschern auskennen und dazu noch Führerscheine der Klasse 2 haben, um die Fahrzeuge bewegen zu können. Den Mitteltrakt der großen Halle wollen wir später öffentlich zugänglich machen“, sagt Willi Mundt.
Sein Verein sei jetzt gegliedert in Straße, Schiene, Schifffahrt und Fluggeräte und unmittelbarer Nachbar des Vereins für Wilhelmshavener Verkehrsgeschichte. Freuen würde er sich über eine Unterstützung der Stadt, z. B. in Form von Ein-Euro-Jobs.
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