WILHELMSHAVEN - 90 Jahre Volksbühne in Wilhelmshaven – ein Grund zum Feiern? Einerseits ja, fanden Mitglieder und Freunde bei einem Festakt am Sonnabend im Stadttheater. Mit immer noch 378 Mitgliedern ist der Verein das gelebte Bekenntnis zum eigenen Theater in der Stadt. Die Volksbühne sei ein Auftrag für die Kommune, erkannte Oberbürgermeister Eberhard Menzel in seinem Grußwort: „Theater muss finanziert werden“.
Angesichts der jahrelangen, zermürbenden Spardebatten des kommunalen Zweckverbandes der Landesbühne Nord mit der Landesregierung dominierten jedoch die Moll-Tonarten. Vor allem Festredner Dr. Hans-Joachim Gottschalk (CDU) nutzte die Gelegenheit in wohl gewogenen Worten zu einer öffentlichen Ohrfeige der Hannoveraner Ministerialbürokratie. Bereits deren rein fiskalische Betrachtungsweise sei falsch: Theater sei kein „ästhetisches Sahnehäubchen“. Als öffentliche Aufgabe müsse es staatlich finanziert, nicht subventioniert werden, betonte der Ex-Staatssekretär. Auch Einwohnermeldeämter arbeiteten nicht kostendeckend: „Theater wird sich nie rechnen. Man muss sich dazu bekennen“.
Auch messe die Landesregierung mit zweierlei Maß, indem sie eine deutlich größere Liebe zu ihren Staatstheatern in den Großstädten erkennen lasse.
Intendant und Geschäftsführer Gerhard Hess erinnerte an die große Hilfe aus Hannover bei der Gründung der Landesbühne 1952. Das Studium alter Akten habe ihn tief berührt: Kulturminister Richard Vogt, selbst später ehrenamtlicher Vorsitzender des Volksbühnenbundes, habe damals beispielsweise seinen eigenen Dienstwagen angeboten, damit Vertreter vor Ort die Kommunen für den Zweckverband gewinnen konnten.
Mit Begeisterung dabei schon damals die Volksbühne der Jadestadt, wie deren langjähriger Vorsitzender Rolf-Dieter Daniels berichtete.
