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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Campus

Aufklärer mit Spielschulden

10.02.2010

OLDENBURG Die Abteilung „Frühe Neuzeit“ des Instituts für Geschichte an der Universität Oldenburg machte am vergangenen Sonnabend ein Experiment: Prof. Dr. Dagmar Freist, Prof. Dr. Gerd Steinwäscher und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Christina Beckers veranstalteten eine Studierendenkonferenz mit dem Titel „Ambivalenzen der Aufklärung und Haskala im europäischen Kontext“. Bei dem Schlagwort „Konferenz“ erwarten wohl die meisten, große Redner mit noch größeren Lebensläufen gäben sich die Klinke in die Hand.

Volles Engagement

Doch das Besondere bei diesem „Experiment“ war, dass nicht routinierte Professoren die Konferenz gestalteten, sondern die Studierenden des Bachelor-Moduls der „Frühen Neuzeit“ und die Studierenden des Master-Studiengangs „Europäische Geschichte“.

44 Studenten hielten 29 Vorträge von jeweils zwanzig Minuten Länge von 9 Uhr bis etwa 17.30 Uhr. Ausdauer war gefragt und die Studierenden zeigten totales Engagement. Die Vorträge hatten ihren Schwerpunkt auf den Forschungen zur jüdischen Aufklärung – der Haskala.

„Aber was ist die Basis der Aufklärung?“, fragte Referentin Jessica Greulich. Das Bürgertum – zu einem erheblichen Teil. Dazu gehörte auch Justus Möser, der laut Referentin Sarah Bockmeyer „Spielschulden bei seinem Freund Lessing hatte“, womit auch gleich der nächste bürgerliche Aufklärer, Gotthold Ephraim Lessing genannt wurde.

Die Studierenden zeigten außerdem die verschiedenen Rollenmodelle in der Haskala auf, stellten den aufgeklärten Monarchen Gustav III. vor und deckten den Mord an Peter III. durch seine Gattin, Katharina die Große, auf. Auf die Frage, wieso es keine Verärgerungen darüber in der Bevölkerung gab, wie bei einem vergleichbaren Ereignis in Frankreich, bemerkte Prof. Dr. Gerd Steinwäscher: „Offiziell ist er an Hämorrhoiden oder so gestorben.“ Die Veranstaltung hatte also zwar eine sehr gute wissenschaftliche Basis, doch trocken oder langweilig wurde es nicht.

Aussagen, wie „Die Frau ist aus dem Grund geschaffen, dem Mann zu gefallen“ oder „It's cheaper to buy than to breed“ provozierten, blieben aber gerade deshalb im Kopf.

Ersteres beschreibt die Rolle der Frau im jüdischen Bürgertum vor der Haskala – das englischsprachige Zitat bringt die Situation der Sklaven in den dänischen Kolonien im Zeitalter der Aufklärung auf den Punkt.

Neuartige Prüfung

Prof. Dr. Dagmar Freist resümierte, dass die „Idee der Studierendenkonferenz sehr schön umgesetzt wurde“ und diese Form der Prüfungsleistung der Studierenden sich absolut gelohnt habe.

Besucher und Studenten waren gleichermaßen begeistert, da „das viel interessanter war, als wenn jeder für sich seine eigene Hausarbeit schreibt“, so eine Referentin.

Aber auch eine kritische Reflektion der Veranstaltung wurde von den Initiatoren vorgenommen: „Ein bisschen mehr Diskussionsraum hätte es schon geben müssen“, sagt Freist, „aber das nehmen wir dann einfach als Idee für das nächste Mal!“

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